Schlagwörter

, , , ,

Das Mysterium der Trauer bei Tieren (The Mystery of Animal Grief – TIME):

In dem Beitrag (Time, April 15) geht es um das Thema Trauer bei Tieren und um Beobachtungen diesbezüglich bei verschiedenen Tierarten, Krähen, Schimpansen, Elefanten, Pferde, Kaninchen, Katzen und auch Hunde.

Seit einiger Zeit versucht die Wissenschaft herauszubekommen, ob Tiere tatsächlich trauern. Krähen, diese nicht sonderlich beliebten Vögel, scheinen durch den Tod von Artgenossen bewegt zu werden. Entdeckt eine Krähe eine andere tote Krähe, ruft sie durch einen besonderen Ruf andere Krähen hinzu und diese landen, meist ohne einen Ton von sich zu geben rund um den toten Körper. Manche bringen Stücke oder etwas krass mit sich und legen es neben oder manchmal sogar auf die tote Krähe. Danach fliegen sie wieder davon.

Aber ist das nun wirklich Trauer? Ist es vergleichbar zu dem, was Menschen empfinden, wenn sie trauern?

Bei Schimpansen wird oft beobachtet, dass Mütter ihre toten Babys noch tagelang nach deren Tod mit sich herum tragen. Elefanten verweilen oft bei dem Leichnam eines verstorbenen Herdenmitgliedes oder kehren immer wieder dorthin zurück. Und bei Hunden und Katzen beobachtet man immer wieder, dass sie nach dem Tod eines Gefährten lustlos werden, das Essen verweigern und Stellen aufsuchen, an welchen sich ihr Spielgefährte oft aufhielt. Schimpansen bekommen Wutanfälle, Wutanfälle gegen die einbrechen Dunkelheit und manchmal werfen sie Steine auf den Toten und trommeln frustriert auf dessen Brust ein, bevor sie auf ihre eigene Brust schlagen. Etwas, das ganz offensichtlich Sorge nach dem Tod eines Familien- oder Gruppenmitgliedes ausdrückt, ist auf Bauernhöfen häufig beobachtet worden, bei Ziegen, Schweinen, Enten und in den Meeren etwa bei Delphinen.

Doch trotz dieser Beobachtungen sperrt sich die Wissenschaft dagegen, dieses so ohne weiteres als Trauer bei Tieren zu akzeptieren. Niedergeschlagenheit könnte doch einfach die Angst vor dem Raubtier sein, welches den Freund getötet hat und die Wut einfach der Versuch dieses selbe Raubtier zu vertreiben. Anders als wir Menschen können die Tiere keine Auskunft über sich und ihr befinden geben. Die Psychologie des Menschen baut genau darauf. Aber ist es tatsächlich Vermenschlichung, wenn wir annehmen zu wissen was in den Köpfen der Tiere vorgeht, wenn sie ein bestimmtes äußerliches Verhalten zeigen? Die Vorwürfe der Wissenschaft diesbezüglich, so der Artikel, sind sicherlich berechtigt. Doch vielleicht übersehen sie dabei auch einiges.

Barbara King, die Autorin von How Animals Grieve geht davon aus, dass Tiere sozial ausgerichtet sind und Bindungen zu anderen aufbauen, ähnlich wie auch wir. Und in vielen Bereichen seien unsere Gehirne sehr ähnlich in ihren Funktionen. Warum sollten dann Tiere nicht auch trauern?

Und falls das nun tatsächlich zutrifft, dann könnten die Vorgänge, die sich dabei ereignen, die evolutionären Vorläufer unserer eigenen Art zu trauern sein. Marc Bekoff, ein Evolutionsbiologe, meint dass es eine Totenwache und das ähnlich dem Menschen die Tiere untereinander das Gefühl verstärken, alles sei in Ordnung.

Die Wissenschaftler King und Bekoff  Gehören zu einer wachsenden Gruppe von Forschern, welche im Bereich Trauer bei Tieren forschen. Noch gibt es keine endgültigen empirischen Ergebnisse – es existieren noch keine schlüssigen Labortests oder Scans von  Gehirnen –  aber es gibt schon einige zumindest vorläufige Ergebnisse. Diese basieren vor allem auf den Beobachtungen von Forschern im Feld, von Verantwortlichen in Zoos und sogar von Haustierbesitzer. Es scheint tatsächlich, dass Tiere leiden ganz ähnlich wie wir.

Sicherlich ist Trauer bei Tieren längst nicht so komplex wie bei Menschen, schon alleine deswegen wohl nicht, weil ihre Gehirnleistung für längere Reflexion und ein Festhalten an Erinnerungen, wie es für den menschlichen Trauerprozess typisch ist, nicht ausreicht.

“Die Natur ist hart, und wenn es einen Wert hat, sich mit einem Tod zu beschäftigen, dann hat das auch einen Wert, schnell darüber hinweg zu kommen, denn sonst wirst du ausgerottet,“ sagt Marzluff, Co-Autor des Buches Gifts of the Crow: How Perception, Emotion, and Thought Allow Smart Birds to Behave Like Humans.

Was Forscher nun also nutzen, um Trauer bei Tieren zu erkennen, sind eine Reihe von Verhaltensweisen die jeder, der Verlust oder Depression kennt, schon am eigenen Leibe erfahren hat: Lustlosigkeit, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit. Das ist äußerlich sichtbar und das über einen längeren Zeitraum. „Es macht,“ so King, „keinen Sinn zu fragen, ob Tiere den Tod wirklich verstehen, da wir dieses nicht herausfinden können.“ Deswegen macht es am meisten Sinn, sich auf das zu beschränken, was man sehen kann.

Was Hunde betrifft, so hat ein Fall weltweit für Schlagzeilen gesorgt, der japanische Akita mit dem Namen Hachiko. Dieser begleitete seinen herrlichen jeden Morgen zum Bahnhof in Tokio und holte ihn dort wieder ab am Abend. Als der Besitzer des Tieres verstarb, behielt der Hund diese Gewohnheit bei, und ging Tag für Tag, ein Jahrzehnt lang, zum Bahnhof und wieder nach Hause, allerdings allein.

In dem Artikel werden dann noch eine ganze Reihe von Beispielen genannt, wo tierisches Verhalten beobachtet wurde, welches menschlicher Trauer sehr ähnlich ist. Es gibt durchaus auch vorläufige Hinweise aus Untersuchungen in der Veränderung der Körperchemie von Schimpansen, die darauf hindeuten, dass diese nach dem Tod eines Artgenossen ein ähnliches Gefühl von Stress, wie es auch bei uns mit Trauer oft einhergeht, fühlen wie wir. Auch Untersuchungen zu bestimmten Arealen des Gehirns, die bei uns eng mit Trauer verbunden sind und auch bei manchen Tierarten einen ähnlichen Anteil am Gehirn haben, deuten, wenn man außerdem das Verhalten dieser Tiere nach Verlust eines Artgenossen mit einbezieht in die Betrachtungen, ebenfalls darauf hin, dass diese Tiere etwas empfinden, dass der menschlichen Trauer vergleichbar ist.

Auch wenn sich viele Beobachtungen, wie schon zu Beginn angedeutet, auch auf andere Art und Weise erklären lassen, so sieht es doch sehr danach aus, dass auch Tiere durchaus Trauer empfinden können, wenngleich auch nicht gleichermaßen ausgeprägt wie wir Menschen.

Besitzer von Pferden, Katzen und Hunden können dieses oft aus eigener Erfahrung mit ihren vierbeinigen Freunden bestätigen.

Wer noch mehr zum Thema lesen möchte, dem sei folgender Artikel in der Süddeutschen Zeitung empfohlen: Trauern Tiere?

Advertisements