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Durch die Kastration von Hunden beider Geschlechter konnte in den letzten Jahren viel Leid vermieden werden. In den USA beispielsweise sank die Zahl der euthanasieren Hunde von 24 Mio. im Jahre 1970 auf 4 Mio. im Jahr 2007. Vor allem viele Welpen landen im Tierheim, wenn’s denn mal passiert und man nicht alle unter bekommt.

Also werden heute viele Hunde kastriert. In vielen Tierheimen bei uns gehört es etwa zum Programm, aufgenommene Hunde vor der Abgabe zu kastrieren. Durch die Arbeit der Tierschutzvereine werden heute außerdem viel mehr Tierheimhunde vermittelt. Die Zahl der Rassehunde, die von Züchtern abgenommen werden, ist dagegen gesunken.

Wie mein Tierarzt mir sagte, hat bei Hündinnen eine Kastration den Vorteil, dass sie im Alter ein deutlich geringeres Risiko von Gebärmutterhalskrebs haben.

Mich hat dieses, wie auch das Elend der zahllosen Tierheimhunde bewogen, beide meine Junghunde kastrieren zu lassen, auch wenn dies ein massiver Eingriff in ihre Natur ist. Sie haben es gut überstanden, wie auch Jackie damals vor 14 Jahren und auch ihre Vorgängerin Trixie.

Nun scheint es aber Hinweise zu geben, dass die Kastration von Hunden gesundheitlich durchaus negative Effekte haben kann. In einer Untersuchung an der Universität von Californien in Davis an 759 Golden Retrievern in den Jahren von 2000 bis 2009 fand man eine Reihe von gesundheitlichen Problemen bei kastrierten Hunden. (Früh kastriert meint hier kastriert vor Vollendung des 1. Lebensjahres)

  • HD (Hüft Dysplasie) — doppelt so häufig bei früh kastrierten Rüden wie bei nicht kastrierten Rüden. Keine Auswirkung bei Hündinnen.
  • Schaden an den Knie Bändern – häufigeres Auftreten bei früh kastrierten Rüden und Hündinnen
  • Lympfdrüsenkrebs – dreimal so häufig bei früh kastrierten Rüden bei bei nicht kastrierten Rüden. Keine Auswirkung bei Hündinnen.
  • Krebs an den Wänden der Blutgefäße – vierfache Häufigkeit bei spät kastrierten Hündinnen als bei nicht kastrierten Hündinnen. Keine Auswirkung bei Rüden.
  • Mastzellen Tumore – signifikant häufiger bei spät kastrierten Hündinnen. Keine Auswirkung bei Rüden.

Das scheint darauf hinzuweisen, dass es zumindest bei Golden Retrievern ein erhöhtes Risiko für die beschriebenen Erkrankungen gibt, wenn man sie kastriert. Aus anderen Forschungen gibt es Hinweise, dass durch Kastration das Risiko für Demenz in Hunden verstärkt wird. Bei Hündinnen scheint nach Kastrationen ein größeres Problem mit Agression zu bestehen. Seit diese Sachverhalte bekannt sind, besteht eine Kontroverse bezüglich der routinemäßigen Kastration von Hunden. Die Frage ist letztlich, ob es moralisch gerechtfertigt ist?

Es gibt neben der Eingrenzung der ungehinderten Vermehrung von Hunden eine Reihe von Gründen, die für Kastrationen außerdem ins Feld geführt werden. Das reicht von der Verhinderung von Scheinschwangerschaften bei Hündinnen, dem einfacheren Zusammenhalten von Tieren beider Geschlechter bis zu Abhilfe bei dominantem oder aggressivem Verhalten bei Rüden.

Trotzdem bleibt die Frage: rechtfertigen alle diese Vorteile die Kastration?

In den nordischen Ländern ist Kastration von Hunden kaum ein Thema. Dort ist eine Kastration ohne medizinische Indikation zum Teil sogar per Gesetz verboten.

Es gibt allerdings eine Alternative, die in Betracht gezogen werden kann, die Sterilisation. Bei Rüden wird dazu der Samenleiter abgebunden oder durchtrennt und bei Hündinnen entsprechend durch ein Abbinden der Eileiter oder Entfernen eines Stücks des Eileiters. Dadurch bleiben Hoden und Eierstöcke in ihrer Funktion für den Körper, etwa die Steuerung hormoneller Prozesse, unbeeinträchtigt. Lediglich die Fortpflanzungsfähigkeit ist den Hunden genommen.

Siehe auch Kastration: Pro und Kontra

Quelle: Should We De-Sex All Of Our Pets?

Vertiefend: Neutering Dogs: Effects on Joint Disorders and Cancers in Golden Retrievers