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Der folgende Beitrag von hoellenhunde bezieht sich auf meinen Beitrag 

Wasser marsch

Floppy und die Angst vor anderen Hunden sieht mich immer auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten. …..

Eigentlich also bestrafst du ihn für seine Angst? Ich finde es sehr schön, dass du erkennst, dass es sich um Angst handelt.
Angst ist ein sehr starkes Gefühl.
Ich hoffe, du fühlst dich nicht angegriffen, wenn ich ein Vergleich ziehe:
Du musst dir vorstellen, dass du unter Aliens lebst, die du so zwar so einigermaßen körpersprachlich verstehst, aber eben nicht vollständig. Sie führen dich immer an der Hand aus. Du kennst andere Menschen zwar so ein wenig, aber du kannst dich nicht rational mit ihnen austauschen.
In der Stadt, die sowieso reizüberfüllt ist – laut, viel Getummel, wahnsinnig interessante Gerüche – kommen dir ständig diese anderen Menschen an den Alienhänden entgegen, die dich bedrängen. Du kannst nicht ausweichen, du kannst dich nicht höflich annähern und irgendwann hast du Angst vor Menschen, wenn sie an der Hand geführt werden. Da die Menschen dich trotzdem bedrängen können, und mittlerweile reicht da der Anblick, hast du die Erfahrung gemacht, dass sie weggehen, wenn du dich aufführst. Das ist sehr belohnend für dich und weil alles andere an Versuchen bisher fehlschlug, bleibst du dabei. Du führst dich also schon automatisch auf, wenn dir ein Mensch zu nahe kommt.
Nun aber hat sich dein Alien dazu entschlossen, dich mit Wasser zu bespritzen, um dich mundtot zu machen. Du erschrickst, du hasst es, mit Wasser besprüht zu werden. Du lässt es sein. Dein Alien ist glücklich. Du bist brav.
Hast du deswegen weniger Angst vor diesen Menschen? Wie wahrscheinlich ist das? Ist es nicht eher so, dass du vielleicht denken könntest, dass diese Menschen schuld daran sind, dass dein geliebtes Alien dich so behandelt?

Um auf Hunde zurückzukommen – so ungefähr fühlt sich dein Hund. Er hat ja bereits ein massives Problem mit Leinenbegegnungen. Du kannst dabei eigentlich nur einen Weg wählen, indem du die klassische Konditionierung aufbrichst, die sich bei deinem Hund schon eingestellt hat. Er fühlt sich doof, wenn er andere Hunde an der Leine sieht. Dazu hat sich operant ausgebildet, dass er ausrastet und zwar dann, wenn der andere Hund in seine Individualdistanz einbricht – Auslöser zu nahe = Reaktion. Über negative Verstärkung (Etwas Unangenehmes wird entzogen) war das immer sehr belohnend.

Ich glaube daher nicht, dass es ausreicht, ihm verständlich zu machen, dass du das regelst. Ich kann es zwar nicht beurteilen, aber wenn du schon bei der Wasserflasche angekommen bist, wird es wahrscheinlich ein tiefgreifendes Problem sein.

Akuma ist stark reaktiv. Bedingt durch seinen Deprivationsschaden ist das wohl auch recht schlimm gewesen. Ich spiele mit ihm seit einem Jahr „Zeigen & Benennen“. Seither hat sich vieles verbessert.

Wenn dir das zu kompliziert ist, vielleicht eine Light-Version?
Finde zuerst heraus, wie weit du wegstehen musst, damit dein Hund noch nicht reagiert (=Individualdistanz, Wohlfühlzone). Der Hund ist noch nicht so erregt, dass er optimal lernen kann. Ist er über der Reizschwelle (also, wenn er ausrastet), dann lernt er schlecht bis gar nicht, weswegen die Strafen nur dazu führen werden, dass dein Hund Verhalten unterdrückt.Die Grundprobleme aber bleiben weil sich das Gefühl deines Hundes nicht ändert.
Du weißt sie? Gut, immer einhalten. Wenn nötig, umkehren. Das klingt anstrengend? Nun ja, das ist es am Anfang auch.
Jetzt darf der Hund den Auslöser angucken und bekommst dafür was Feines. Ablenken ginge zwar auch, aber du möchtest ja, dass der Hund andere Hunde mit etwas Schönem verbindet, oder? Das ist dann klassische Gegenkonditionierung und soll das schlechte Gefühl in ein gutes umwandeln.
Hat er hingesehen, weichst du großzügig aus. Du nutzt also die negative Verstärkung zu deinem Vorteil und zeigst ihm damit gleichzeitig, was man noch tun könnte, statt auszurasten. Bogen laufen wird vom Hund als “höflich“ empfunden, obendrein. Das wäre ein passendes Ersatzverhalten und eine operante Gegenkonditionierung, die nach einiger Zeit auch noch desensibilsierend wirkt, die Individualdistanz könnte sich verringern.

Das Prinzip ist auch  hier sehr schön zu sehen als Grafik:
Basic BAT Set-up

Danke erst einmal an hoellenhunde, dass du dich so intensiv mit meinem Floppy Problem auseinandergesetzt hast in deinem ausführlichen Kommentar zu meinem Beitrag „Wasser marsch”.

Ich bin eigentlich nicht der Meinung, dass es eine Bestrafung ist, wenn ich ihn mit Wasser ansprühe. Vielmehr geht es mir darum, ihn abzulenken, dass er mir und der Sprühflasche mehr Beachtung schenkt als dem anderen Hund.

Die Strategie sieht sehr stimmig aus. Schwierig ist nur die Umsetzung im Alltag, denn man kann leider nicht immer ausweichen oder umkehren. Floppy reagiert auch nicht immer auf gleiche Distanz auf andere Hunde. Zuweilen kann der Abstand riesig sein. Andere Male ist er eher gering.

Floppy fehlt eindeutig die Erfahrung im Umgang mit fremden Hunden. Bei den bisher drei Malen, bei welchen er eine Begegnung mit anderen Hunden ohne Leine hatte, ging er schon recht forsch an sie ran, bis auf wenige Zentimeter. Dabei war er aber nicht entspannt und war eher auf Angriff aus. Weder roch er an dem anderen Hund, noch bekam dieser eine Chance dazu, in keinem der drei Fälle.

Mit dem Hund eines Freundes, den er nicht kannte, und auch einem anderen Hund habe ich es allerdings geschafft, nach einer kleinen Eingewöhnung gemeinsam zu gehen. Mit dem notwendigen Abstand störte ihn der andere Hund die meiste Zeit über nicht. Es kam zwischendurch ein paarmal vor, dass er wieder loslegte. Das gab sich dann aber auch wieder. Solche Möglichkeiten ergeben sich für mich leider viel zu selten.

Schwierig sind auch die Situationen, in welchen ich nicht alleine mit Floppy auf Trainingstour bin. Wenn die anderen dabei sind, schaukelt sich die Sache noch durch die anderen hoch. Einmal legen sie los, da sie sich durch Floppy animiert fühlen, dann aber fühlt er sich mit Rückendeckung auch stärker.

Er braucht einen souveränen Hund, an dem er lernen kann, dass er mit seiner Vorgehensweise nicht weiter kommt, wo er aber auch lernt, es geschieht ihm nichts. Niemand will etwas von ihm. Das könnte dann auch das Eis brechen.

Die Strategie von hoellenhunde will ich aber auf jeden Fall versuchen, auf meine Situation anzupassen und dann zukünftig anwenden, wo möglich.