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Aus der Beobachtung von kleinen Kindern ist bekannt, dass sie in Situationen, welche sie nicht einschätzen können, auf ihre Begleiter, z.B. die Mutter, schauen und wieder zurück zum Objekt oder Szenario, welches ihnen fremd ist. Damit bezwecken sie zwei Dinge. Einmal wollen sie das Verhalten und die emotionale Reaktion ihres Begleiters sehen, um eine Orientierung für das eigene Verhalten zu erhalten, und dann wollen sie durch das Hin- und Herblicken zwischen Objekt und Begleiter dessen Aufmerksamkeit auf das Objekt lenken. Diese Form des Verhaltens nennt man soziales Referenzieren. Durch dieses Verhalten kann ein Kind lernen, mit bestimmten Situationen umzugehen und Fehler zu vermeiden, die eventuell sogar gefährliche Folgen haben können.

Einer Forschergruppe an der Medizinischen Fakultät der Universität Mailand fiel dieses Verhalten auch bei Hunden auf. Verhält sich ein Hund also ähnlich und schaut z.B. beim Betreten eines fremden Gebäudes mit vielen Menschen und Hunden auf das Herrchen, in den Raum und wieder zurück, so deutet dieses darauf hin, dass die Situation den Hund verunsichert. Er will nun sehen, wie das Herrchen emotional darauf reagiert, positiv oder negativ, um zu entscheiden, wie er sich selbst verhalten soll.

Looking dogFoto: Looking Dog – Thomas Edwards; CC BY

Man untersuchte das anschließend systematisch in einem Versuch. Dazu stellte man einen Ventilator mit Flatterbändern auf. Herrchen und Hund betraten dann den Raum, wobei der Hund ohne sich Leine frei bewegen konnte. Solange der Ventilator abgeschaltet war, schauten die meisten Hunde kaum zu ihren Herrchen und liefen im Raum umher. Sobald der Ventilator eingeschaltet war, gingen die Hunde nur einige Schritte in den Raum und dann schauten 83% von ihnen unmittelbar zu ihren Herrchen, zum Ventilator und wieder zurück. Sie schienen darauf zu warten, dass Herrchen ihnen einen Hinweis lieferte, wie sie den Ventilator einzuschätzen hätten.

Danach ließen die Forscher die Herrchen mit ruhiger Stimme eine Aussage machen, die entweder positiv war (Wow, der ist aber toll!) oder negativ (Ich mag nicht, wie der aussieht!). Je nachdem ob Herrchen eine positive oder negative Aussage machte, orientierten sich die Hunde in ihrem Verhalten. Bei der negativen Aussage blieben sie stehen und unternahmen nichts, ähnlich wie man das auch bei kleinen Kindern beobachtet. Bei der positiven Aussage reagierten die Hunde allerdings nicht ganz wie erwartet und blieben weiter etwas verhalten, als ob sie noch immer nach Hinweisen suchten, wie sie die Sache einschätzen sollten.

Sobald die Herrchen den ganzen Köper bei der positiven oder negativen Aussage über den Ventilator einsetzten, veränderte sich das Verhalten der Hunde in beiden Fällen sehr eindeutig. Bewegten sich die Hundebesitzer ohne Angst auf den Ventilator zu, folgten auch die Hunde. Umgekehrt bewegten sich die Hunde von dem Objekt auch sofort weg, sobald ihr Besitzer sich davon weg bewegte.

Damit konnte deutlich gezeigt werden, dass Hunde wie kleine Kinder in für sie unsicheren Situationen auf emotionale Hinweise von ihren Menschen warten, die ihnen helfen ihr eigenes Verhalten in der Situation zu steuern. Hunde beobachten also sehr genau, wie wir auf unsere Umwelt reagieren und holen sich daraus Orientierung für ihre eigenen Reaktionen.

Das erinnert mich an Cesar Millan, der Hundebesitzern immer empfiehlt, ruhig und bestimmt zu sein. Wer etwa einen Hund hat, der vor vielen Dingen Angst hat, hilft ihm nicht, wenn er in diesen Situationen selbst unsicher reagiert, weil er nicht sicher ist, wie der Hund reagiert. Besser für den Hund ist es, wenn man dann ruhig und selbstsicher mit der Situation umgeht und dem Hund damit zeigt, dass die Situation keine Gefahr beinhaltet. Als Mensch sollte man sich selbst beobachten, um die sich der eigenen Reaktion bewusst zu sein. Oftmals merken wir nicht, dass wir selbst angespannt sind, wenn wir mit dem Hund in eine Situation kommen, die wir nicht gut einschätzen können, etwa wenn uns ein großer Hund ohne Leine begegnet.

Quelle: Your Dog Watches You and Interprets Your Behavior, Psychology Today, Oktober 2012