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Wer selbst schon einmal einen Wurf Welpen im eigenen Haushalt hatte, dem ist sicher aufgefallen, dass die frisch geborenen Hündchen die Augen noch fest geschlossen haben und auch der Hörkanal verschlossen ist. Damit sind die Kleinen faktisch blind und taub und das über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen. Warum ist das so? Es gibt doch auch andere Tiere, etwa Kühe oder Zebras, wo der Nachwuchs voll ausgereift auf die Welt kommt und vom ersten Tag an in der Lage ist, der Herde zu folgen. Sein Überleben hängt sogar davon ab, dass es dazu in der Lage ist. Man spricht bei Tieren, deren Nachkommen derart ausgereift zur Welt kommen, von sogenannten Nestflüchtern. Dieser Begriff ist vielen vielleicht aus im Zusammenhang mit Enten und Hühnern bekannt. Gerade bei Raubtieren findet man eher selten Nestflüchter, sondern eher Nesthocker.

Welchen Sinn aber macht es nun, dass der Nachwuchs von Hunden zu den Nesthockern zählt? Die Antwort ist recht einfach. Säugetiere, deren Nachkommen Nestflüchter sind, haben in der Regel eine deutlich längere Schwangerschaftszeit. Bei Rindern beträgt diese etwa 9 Monate. Das neugeborene Kalb wiegt dann bereits 25 – 45 kg und verfügt über voll ausgebildete Sinnesorgan und ein weit entwickeltes Gehirn. Außerdem ist es bereits in der Lage, gemeinsam mit der Herde zu flüchten, falls dieses erforderlich ist. Gerade bei Arten, wo dieses wichtig für das Überleben ist, macht eine solch frühe Reife viel Sinn.

neugeborene Golden Retriever Welpen

Bild: neugeborene Golden Retriever Welpen; Wikimedia, CC BY 2.0, Flickr Usr ElBosco

Bei vielen Jägern, zu denen auch die Hunde gehören, macht eine lange Tragezeit weniger Sinn, da die Mutter dann über lange Zeit durch das zusätzliche Gewicht der Ungeborenen in ihrem Leib bei der Jagd beeinträchtigt ist. Von daher ist es evolutionär gesehen sinnvoller, die Tragezeit zu verkürzen und den Nachwuchs noch weniger ausgereift zur Welt zu bringen. Die Mutter kann die kleinen Welpen dann in einer Höhle verstecken und während der Jagd alleine lassen. Da die Jagd nur einen kleinen Teil des Tages einnimmt, kann sie sich den größten Teil des Tages über um die Welpen kümmern, sie wärmen, säugen und pflegen. In dieser Zeit können die kritischen Organe der Welpen, Hirn, Augen und Ohren dann reifen. Während dieser Entwicklung sind Organe noch sehr empfindlich, die Augen etwa gegen Schmutz und auch Licht selbst. Würde man die Augen eines Welpen vor Abschluss der Reifung der Augen öffnen, würden die Netzhäute durch das Licht irreparabel geschädigt. Gleiches gilt auch für die Ohren.

Mit etwa zwei Wochen öffnen die meisten Welpen die Augen erstmals. Aber auch dann sind sie noch nicht vollkommen funktional. Es dauert noch ein paar Wochen länger bis die Augen ausgereift sind und in ihrer Funktion den Normalzustand erreicht haben. Genauso sind in der ersten Zeit nach der Geburt die Hörkanäle der Welpen noch verschlossen. Die Ohrkanäle beginnen sich etwa um die gleiche Zeit zu öffnen wie die Augen. Dabei sind die Ohren zu diesem Zeitpunkt allerdings schon deutlich weiter ausgereift. Etwa eine Woche später ist das Hörvermögen der Welpen dann bereits weitestgehend ausgereift und entspricht dem eines erwachsenen Hundes.

Die Orientierung der Welpen erfolgt in den ersten Wochen, in welchen der Gesichts- sowie der Hörsinn noch nicht funktional sind, überwiegend über den Geruch. Daran erkennen sie die Mutter wie auch die Geschwister.

Quelle: Why are puppies born with their eyes and ears closed? von Stanley Coren, Psychology Today, Juni 2008

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