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Foto: Stern.de

Kürzlich war in den Medien zu lesen, dass in Rumänien ein Mädchen von einem Hund tot gebissen worden sein soll. Kurz darauf verabschiedete das Parlament ein Gesetz, welches die massenhafte Tötung der Straßenhunde erlaubt. Eine Klage vor dem rumänischen Verfassungsgericht wurde abgewiesen und mit der Unterschrift des rumänischen Präsidenten trat das Gesetz in Kraft. Im Gesetz werden eine Auflagen gemacht, etwa dass die Straßenhunde zunächst eingefangen und von den Kommunen 14 Tage lang in Tierheimen zu versorgen sind, bevor sie eingeschläfert werden können.

Das neue Gesetz sieht vor, dass die Kommunen eingefangene Hunde lediglich 14 Tage lang in Tierheimen versorgen müssen und sie anschließend einschläfern lassen können. Eine Verpflichtung zum Töten besteht nicht, die Kommunen dürfen die Hunde weiter versorgen, falls deren Tierheime Kapazitäten haben. Vorgesehen ist auch, dass die Hunde nur mit Methoden getötet werden dürfen, die die Tiere nicht quälen.

Quelle: Frankfurter Neue Presse

Es besteht also nicht einmal ein Zwang zur Tötung der Straßenhunde. Was zur Zeit jedoch von Beobachtern berichtet wird über den Umgang mit den rumänischen Straßenhunden ist haarsträubend. Manche Menschen in Rumänien scheinen das Gesetz als einen Freibrief zu sehen, Jagd auf Straßenhunde zu machen und dabei möglichst viel Spaß zu haben. So wird davon berichtet. Laut dem Tierschutzvereins München heißt es:

Da werden Hunde mit Mistgabeln aufgespießt und ins Feuer geworfen, Welpen mit Steinen totgeschlagen, von Autofahrern absichtlich überfahren.

Wie von Beobachtern berichtet wird, macht die Tötungsaktion auch vor kastrierten Hunden keinen Halt. Ausländische Tierschutzinitiativen, darunter auch deutsche, sind seit Jahren in Rumänien tätig und kastrieren dort Straßenhunde, um die ungehinderte Vermehrung einzugrenzen. Außerdem bemühen sie sich um die Vermittlung von Straßenhunden.

Vermutlich kann man davon ausgehen, dass rumänische Kommunen auch finanziell nicht in der Lage sind, das Gesetz dem Wortlaut nach umzusetzen. Viele Kommunen werden nicht einmal ein Tierheim besitzen, vielleicht gerade einmal eine Tötung.

Leider finden Tötungsaktionen wie zur Zeit in Rumänien immer wieder statt, auch in anderen Ländern, wie das Beispiel Ukraine 2012 vor Augen führt. Die Tötung von Streunern an Urlaubsorten entlang des Mittelmeeres bevor die Saison beginnt und die Touristen kommen, ist auch nicht unüblich. Man sieht die Massentötungen als den einfachsten und effizientesten Weg. Dass Kastrationen auch ein Weg sind und sogar ein besserer, kommt vielen nicht in den Sinn. Vielleicht sind Massentötungen auch beliebt, well man dann tatsächlich für eine Weile so gut wie keine Straßenhunde mehr an den Orten der Säuberungsaktionen sieht. Doch in die frei gewordenen Reviere rücken schnell neue Hunde nach, da sie dort Futter finden und keine Konkurrenz.

Ich persönlich finde jegliche Form von Tötungsaktionen absolut verwerflich. Es ist ein Verrat der Menschheit am Hund. Hund und Mensch haben eine lange gemeinsame Geschichte, die mindestens 15.000 Jahre zurück reicht, wenn nicht noch viel weiter. In dieser gemeinsamen Zeit haben sich beide gemeinsam entwickelt in einer Form von Co-Evolution. Die brachte den Hund soweit, dass er heute ohne Menschen nicht mehr existieren kann. Auch Straßenhunde, so hat man in Versuchen ermittelt, ziehen Menschen immer ihrem Rudel vor, wenn sich eine Möglichkeit bietet. Da Straßenhunde nicht in der Lage sind, ohne den Menschen in freier Wildbahn (die es bei uns ohnehin nicht mehr gibt) zu überleben, bleiben sie dort, wo Menschen leben, suchen ihre Nähe und leben dann in der Not von den Abfällen und dem, was nette Menschen ihnen geben. Aus dieser Co-Evolution und gemeinsamen Geschichte ergibt sich eine moralische Verpflichtung des Menschen, sich um den Hund zu kümmern und sei es nur, Straßenhunde zu kastrieren, wenn es solche gibt. In vielen Ländern ist diese Verbindung den Menschen nicht mehr bewusst. Hunde werden als lästiges Ungeziefer angesehen oder auch als schmackhafte Delikatesse. Die Hunde können es sich leider nicht aussuchen, anders zu sein. Also müssen wir diese Verantwortung schultern und das Beste daraus machen.

Quellen: Rumäniens Verfassungsgericht erlaubt Tötung von Straßenhunden, Frankfurter Neue Presse, 27.09.2013
Rumänen machen Jagd auf Straßenhunde, Stern, 27.09.2013