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Wenn man so beobachtet, was unsere Hunde alles fressen, von unserem menschlichen Essen, zu Hundefutter, ob trocken oder nass, bis zu Aas und Fäkalien anderer Tiere, so fragen sich viele Hundehalter sicherlich auch einmal, wie es wohl um den Geschmackssinn unserer vierbeinigen Fellnasen bestellt ist. Schmecken sie anders, schmecken sie besser oder vielleicht auch schlechter?

Dieser Frage ging Stanley Coren, ein amerikanischer Verhaltenspsychologe und Autor mehrerer Bücher über Hunde in einem Aufsatz im April 2011 nach. Wir wissen sicher, dass Hunde einen uns weit überlegenen Geruchssinn haben und wir wissen auch, dass Geruch und Geschmack mit einander zusammenhängen. Umso mehr überrascht dann die Erkenntnis, dass der menschliche Geschmackssinn zumindest was die Zahl der Geschmacksknospen angeht, dem der Hunde überlegen ist. In einem Vergleichstest zur Geschmacksempfindlichkeit wurde ermittelt, dass Menschen über insgesamt rund 9.000 Geschmacksknospen verfügen, während Hunde nur über rund 1.700 solche Geschmackssensoren verfügen.

Beagle tongue hanging out

Foto: By Malingering from Los Angeles, California (Flickr) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

Doch ganz so einfach wie der Zahlenvergleich vermuten ließe, ist es nun doch nicht. Der Geschmackssinn ist einer der ältesten Sinne überhaupt und er ist schon lange verantwortlich, um geeignete Nahrungsmittel von ungeeigneten oder gar gefährlichen zu unterscheiden. Der Mensch kennt vier verschiedene Geschmacksrichtungen, die auf verschiedene chemische Stoffe ansprechen: süß, sauer, salzig und bitter. Die vier verschiedenen Geschmacksknospentypen verteilen sich auf verschiedene Areale der Zunge. Ähnlich ist es auch bei Hunden. Viele Säugetiere haben wie der Mensch, Geschmacksknospen für salzig, denn in vielen Getreiden und Gemüsen ist nur wenig davon enthalten und so muss der Köper einen Ausgleich finden und spricht deshalb auf salzige Nahrungsmittel besonders an. Bei Hunden als Raubtieren ist dieses anders, denn Fleisch enthält immer auch Salz. Hunde sind zwar keine reinen Carnivoren (Fleischfresser), doch trotzdem sie haben zusätzlich zu Geschmacksknospen für süß, sauer, bitter und salzig spezielle Geschmacksknospen für Fleisch, Fett und fleischbezogene Stoffe entwickelt. Deswegen suchen Hunde nach Nahrungsmitteln, welche nach Fleisch schmecken oder Geschmack enthalten, der aus Fleisch extrahiert wurde.

Die Geschmacksknospen für süß reagieren beim Hund auf einen Stoff mit dem Namen Furaneol. Dieser kommt in Früchten und Tomaten vor und ist unter anderem für den typischen Ananasgeschmack verantwortlich. Katzen im Gegenteil sind für diesen Stoff geschmacksblind. Hunde sprechen auf diesen Stoff an, vermutlich weil sie ihre Nahrung in der Zeit vor der modernen Hundefütterung aus kleinen Tieren oftmals mit Früchten ergänzen. Viele Hundebesitzer beobachten so, dass ihre Hunde gerne von Walderdbeeren, Himbeeren oder Brombeeren naschen, sobald sich auf einem Spaziergang eine Gelegenheit bietet. Meine Hunde lieben darüber hinaus Äpfel (Hinweis: Weintrauben und Rosinen können, auch wenn Hunde sie gerne fressen, zu gesundheitlichen Schäden führen und sollten ihnen deswegen nicht gegeben werden. Kernobst wie Kirschen, Mirabellen und Pflaumen sollten wegen möglicher Blausäure in Kernen nur ohne Kern gegeben werden. Gleiches gilt auch für Äpfel und Birnen.).

Die Geschmacksknospen für die verschiedenen Geschmacksrichtungen sind beim Hund wie auch beim Menschen nicht gleichmäßig über die Zunge verteilt. Rezeptoren für süß finden sich etwa vorne und an den Seiten der Zunge, die Rezeptoren für sauer und salzig finden sich ebenfalls an den Seiten, jedoch weiter nach hinten gelagert. Der Bereich für salzig ist dabei eher klein ausgeprägt.  Der hinterste Teil der Zunge beinhaltet viele Rezeptoren für bitter und die Rezeptoren für fleischig finden sich vor allem in den vorderen zwei Dritteln. Prinzipiell finden sich Rezeptoren für alle Geschmacksrichtungen überall auf der Zunge. Allerdings finden sie sich in den beschrieben Arealen stärker konzentriert. Tritt eine Geschmacksrichtung sehr stark auf, wird sie auf der gesamten Zunge wahrgenommen, ist sie hingegen nur schwach ausgeprägt, kommen die spezialisierten Areale stärker ins Spiel.

Da Hunde bitteren Geschmack nicht mögen, hat man sich diese Eigenheit zu Nutze gemacht und verschiedene Sprays, Gele und Pflaster entwickelt, welche Hunde davon abhalten sollen, bestimmte Dinge zu bekauen oder Wundverbände zu belecken. Da die Geschmacksrezeptoren für bitter jedoch ziemlich weit hinten auf der Zunge sitzen, schützt ein bitterer Geschmack nicht, wenn der Hund nur mal schnell in etwas beißt, kurz daran leckt oder es gar schnell herunterschluckt. Erst wenn länger geleckt oder gekaut wird, wird ein bitterer Geschmack erkannt und wirkt dann abschreckend.

Hunde haben anders als wir Menschen auch noch Geschmacksrezeptoren für Wasser, so wie andere Fleischfresser auch, etwa Katzen. Diese Rezeptoren sitzen beim Hund an der Zungenspitze, also jenem Teil, der sich rollt, wenn der Hund Wasser aufnimmt. Diese Rezeptoren sind immer aktiv, steigern ihre Aktivität jedoch, wenn der Hund Fleisch gefressen hat oder salzige oder zuckerhaltige Nahrung zu sich genommen hat. Diese Verhalten ist ein Mechanismus, mit dem der Wasserhaushalt der Körpers in einer Balance gehalten werden soll, wenn nach dem Verzehr von Fleisch, salz- oder zuckerhaltiger Nahrung mehr Urin abgegeben wird oder mehr Wasser zur Verdauung benötigt wird. Beobachtungen lassen vermuten, dass Hunde dann mit größerem Vergnügen Wasser zu sich nehmen als sonst und dabei auch recht viel trinken.

Quelle: How Good Is Your Dog’s Sense of Taste?; Stanley Coren in Psychology Today, April 2011

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