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Mit dem Thema Hundenamen sieht sich nahezu jeder Hundebesitzer konfrontiert. Wie soll man den neuen Hund benennen? Rassehunde kommen mit einem Namen, welcher vom Züchter vergeben wurde und mit dem Anfangsbuchstaben den Wurf markiert und im zweiten Teil die Herkunftszucht. In der Regel sind diese Namen für den Alltag nicht tauglich. Einer meiner Dackel hieß beispielsweise “Klex vom Julihof.” Klex hätte man durchaus zum Rufnamen machen können, doch in der Familie gefiel niemandem der Name. Also wurde der Hund mit dem Rufnamen Karo belegt. Auch aus dem Tierschutz übernommene Hunde werden oft umbenannt. Vor allem wenn sie aus fremden Ländern kommen kann man mit den Namen nichts anfangen. Bei meinen beiden kleinen Ungarn habe ich die Namen allerdings beibehalten, Little Amiga und Floppy. Little Amiga rufe ich im Alltag aber nur Amiga. Wenn ich von ihr erzähle, dann nutze ich ihren vollen Namen. Neben dem Rufnamen werden Hunde oftmals zusätzlich auch noch mit Kosenamen belegt, Stinkerchen, Lümmel, Schatz, Mausi und vieles mehr.

Travis now has his name at the dog park!

Foto: Jen Waller, Flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Bei der Vergabe von Rufnamen empfiehlt man heute,

Der Name sollte möglichst kurz und idealerweise mit Vokalen wie “a”, “o”, “u” oder “i” versehen sein.

heißt es beispielsweise bei Hundezüchtercheck zum Thema Namensentstehung. Vor allem wenn man mehrere Hunde hat, sollten die Namen sich auch in ihrem Klang gut von einander unterscheiden, dass Hunde ihren Namen besser erkennen, wenn man sie ruft.

Hunderufnamen unterliegen auch sehr stark dem Zeitgeschmack und haben sich so über die Jahre und Jahrhunderte sehr verändert. Eva Schaab von der Universität Mainz beschäftigte sich im Rahmen ihrer Magisterarbeit im Fach Onomastik (Namenkunde) mit genau diesen Thema. Dazu untersuchte sie zunächst Hundenamenlisten aus den Jahren 1907 und 1916. Außerdem befragte sie anschließend 1.000 Hundebesitzer nach den Namen ihrer Hunde und warum sie gerade diesen Namen ausgewählt hatten. Sie fand heraus, dass klassische Hundenamen wie Rex oder Bello langsam aussterben. Während man zu beginn des 19. Jahrhunderts Namen wie Krummbein und Taugenichts bevorzugte, stehen bei heutigen Hundehaltern eher Menschennamen hoch in der Gunst wie auch die Namen von exotischen Städten.

Während vor 100 Jahren noch “Donau” als solider Name für einen Vierbeiner galt, muss es heute schon “Chelsea”, “Jersey” oder “Sydney” sein.

Der Wandel der Namensgebung spiegelt auch die Veränderung des Menschen in unserer Gesellschaft zum Hund. War der Hund über lange Zeit hauptsächlich ein Nutztier, so ist der Hund heute zum Haustier und damit Familienhund und Lebensgefährten geworden. Einhergehend mit diesem Wandel hat sich der Anteil an Menschennamen für die Benennung von Hunden nahezu verdreifacht.

Fast 60% der Hundenamen deckt sich mit einem Anthroponym, wozu neben zahlreichen Rufnamen, die oft als Koseform vorkommen (Sammy, Benny), auch Familiennamen wie Einstein, Kennedy, Lagerfeld zählen. Weitere 12% basieren auf einer anderen onymischen Basis, zum Beispiel Fiktionymen (Snoopy, Frodo), Toponymen (Sydney, Boston) oder Ergonymen (Asti, Baileys, Bluna). 13% leiten sich aus Appellativen ab (Lady, Socke, Energy), wobei hier der hohe Anteil englischer Wörter auffällt. Gleiches gilt für die kleine Gruppe der Adjektive (Sunny, Blacky). 11% der Hundenamen sind intransparent. 

In ihrer Studie fand Eva Schaab heraus, dass gegenwärtig “Ben” und “Sammy” für Rüden sowie “Gina” für Hündinnen ganz oben in der Gunst von Hundehaltern stehen.

Erstaunlich war auch die Individualität der Hundenamen. Von den 1.000 ermittelten Hundenamen kamen mehr als die Hälfte nur einmal vor. Es sieht nach den Ergebnissen der Untersuchung danach aus, dass Hundehalter bei der Vergabe eines Namen für ihren Vierbeiner ein Höchstmaß an Kreativität an den Tag legen und damit auch zeigen wollen, wie lustig oder einfallsreich sie sind. Zum Glück sind den Hundehaltern dabei keinerlei Grenzen gesetzt, anders als bei Menschen, wo Standesbeamte Namen schon mal ablehnen.

Quellen: Warum Hunde heutzutage anders heißen als früher, in krone.at, Januar 2012

Von ‚Bello’ zu ‚Paul’: Zum Wandel und zur Struktur von Hunderufnamen, Eva Schaab in Beiträge zur Namenforschung / Band 47 (2012) / Heft 2