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Die Zeit vergeht im Fluge, so scheint es. Sieben Wochen verbringe ich nun schon im Krankenhaus und muss auf das Zusammensein mit meinen Hunden verzichten. Um fit genug zu bleiben gehe ich täglich in meinem Zimmer spazieren, 20 Schritte sind eine Runde von der einen Seite des Bettes zur anderen. Wie schön wäre es, wenn mir zumindest einer meiner Hunde Gesellschaft leisten könnte. Aber dann wäre es auch wieder nicht schön für den Hund, denn ausführen an der frischen Luft könnte ich ihn nicht. Ohne eine ausreichende Zahl von Leukozyten kann ich nicht aus meinem Zimmer. Zum Glück sind Hunde etwas anders gestrickt als wir Menschen. Vor allem wenn man mehr als einen Hund hat, sind Hunde nicht zu sehr fixiert auf einen Menschen. So vermissen sie mich nicht sehr. Man verschwindet plötzlich aus ihrem Leben. Das ist auch besser als wenn man es die Hunde vorher wissen lässt, dass etwas sich verändert. Sie verstehen es ohnehin nicht richtig und werden nur unnötig unruhig.

Zum Glück kann ich täglich immer mal wieder einen kleinen Blick auf die Hunde werden über die Webcam, welche die Diele des Hauses im Blick hat.

Bisher ist soweit alles gut gegangen. Die Nachbarin holt Little Amiga regelmäßig ab zu Spaziergängen mit Charly dem Beagle. Little Amiga kann aber nur mitkommen, wenn die Tochter oder der Ehemann der Nachbarin mitlaufen. Die temperamentvolle Little Amiga und ein kräftiger Beagle Bursche mit eigenem Kopf, das ist für eine Person schon etwas viel. Ich bin dankbar, dass die Nachbarin, Little Amiga die Bewegung ermöglicht, die sie so dringend benötigt. Ich wage nicht, mir auszumalen, was Little Amiga zu Hause sonst anstellen würde, ohne eine gute Auslastung durch Spaziergänge.

Floppy hat weiter mit seinen Problemen zu kämpfen. Zum Glück hat er sich endlich an meine Schwester, ihren Lebensgefährten und die Tochter gewöhnt und lässt mehr Nähe zu. Es hat lange gedauert. Selbst mit meinem Vater kommt er jetzt besser zurecht. Doch man muss schon wissen, wie man ihn richtig unter Kontrolle hat. Fatal ist es beispielsweise, wenn man einem anderen Hund begegnet und Floppy dicht mit einem meiner anderen Hunde führt. Floppy legt sofort los, sobald ein anderer Hund in Sicht kommt. Am Wochenende hatte meine Schwester ihn mit Yoschi zusammen. Das war in dieser Situation keine gute Kombination. Floppy ging in einer Übersprungshandlung auf Yoschi los. Der ergab sich sofort und warf sich auf den Rücken. Als Floppy trotzdem nicht nachließ, ging Yoschi zur Verteidigung über. Floppy trug einige Blessuren davon, die meine Mutter anschließend versorgen musste. Ich hoffe, Floppy ist in Zukunft vorsichtiger. Wenn Floppy einem anderen Hund begegnet muss man ihn unbedingt von allen anderen Hunden fern halten und von den eigenen Beinen besser auch, wie ich aus Erfahrung weiß.

Jackie, meine alte Dame, hält sich mit ihren 15 Jahren wacker. Ich hoffe, sie hält auch noch weiterhin durch.

Wie lange ich noch von zu Hause weg bin, ist nicht genau zu sagen. Wenn nach der Transplantation am 24.10. alles gut läuft, kann ich zwei bis vier Wochen später nach Hause gehen. Läuft es nicht so gut, können es auch bis zu sechs Wochen werden. Zum Glück muss ich nicht ins Exil, sondern darf wirklich nach Hause zu den Hunden. Vorsichtig werde ich aber trotzdem sein müssen im Kontakt mit den Hunden. Sie können leicht Dinge mit sich herumtragen, die mir lebensgefährlich werden können.

Die Aussicht, bald wieder zu meinen vier Fellnasen zu kommen, gibt mir Kraft für die schwierige und auch gefährliche Zeit, welche mir bald bevorsteht. Die Vorstellung, wieder mit meinen Vieren im Wald spazieren gehen zu können, ist wunderbar. Das ist es, was ich am meisten vermisse hier in Alcatraz (so nannte ein anderer Patient die Isolation).