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Kaum zu glauben, was es nicht alles gibt. Man kann hoffen, dass die folgende Episode auf einen Berliner Stadtteil beschränkt bleibt. Sie zeigt aber auch, wie wichtig es ist, darauf zu achten, was unsere Hunde zu sich nehmen, wenn man mit ihnen draußen ist.

Nashville's Dog Park

Foto: Brent Moore; flickr; CC BY 2.0

Vor etwa zwei Wochen war der zehnjährige Mischling mit seinem Herrchen Malte spazieren und verschwand dabei in einem Gebüsch. Mit stinkender Schnauze kam er daraus wieder hervor. Er hatte sich wohl an einem Kothaufen gütlich getan. Als wäre dieses nicht schon schlimm genug begann Bob kurz darauf zu Hause zu taumeln, es klappten ihm die Beine weg und sein Kopf zuckte unkontrolliert. Der Hund dämmerte nicht lange danach in der Küche langsam weg. Es blieb nichts anderes übrig als schnellstens einen Tierarzt aufzusuchen.

In der Notfallpraxis Bärenwiese in Charlottenburg angekommen, diagnostizierte der Arzt Jörn Bischof: Toxikologischer Stuhl im Darm, vermutlich Junkie-Kot. „Das war meine Verdachtsdiagnose anhand der Symptome: Kreislaufprobleme, Vergiftungserscheinungen, Herzrasen“, sagt der Tierarzt. Ein Brechmittel kam zu spät, dem Hund wurde eine Infusion gelegt. Bob stabilisierte sich. Aber er ist kein Einzelfall.

Wie auch von anderen Tierärzten in Berlin bestätigt, ist Bob kein Einzelfall. Immer wieder kommt es vor, dass Hunde an drogenhaltigen Kot geraten, diesen aufnehmen und dann die entsprechenden Vergiftungserscheinungen zeigen, Zittern, Taumeln und Dehydration.

Hunde fressen, vor allem wenn sie jünger sind, gerne die Exkremente anderer Tiere, vor allem die von Pflanzenfressern. Im Verdauungsprozess entstehen Fettsäuren und die machen den Kot für Hundenasen attraktiv. Dieses Phänomen, Koprophagie genannt, kann allerdings böse enden. Meist verliert sich die Angewohnheit ab einem gewissen Altern. Falls das nicht der Fall ist, sollte man Hunden diese Angewohnheit gezielt abtrainieren. Kot ist nicht nur in bestimmten Berliner Stadtteilen wegen des enthaltenen Rauschgiftes gefährlich, sondern auch wegen der Parasiten und Krankheiten, die damit übertragen werden können.

Und Drogenopfer Bob? Der erfuhr in jener Nacht die klassischen Nachwehen eines Trips. Noch in der Tierarztpraxis packte ihn Heißhunger, in Rekordtempo verschlang er getrocknete Sardellen und Leckerlis. „Dabei ist Bob eigentlich voll der Schisser und nimmt nie Futter vom Arzt an“, grinst Malte, der Halter. Am nächsten Tag ging es dem Mischling schon wieder besser. Seitdem ist er clean.

Leider scheiden sich bei der Appetitlichkeit von Kot bei Mensch und Hund die Geister. Auch ich habe mit meinen immer wieder mit dem Thema zu tun. Man muss aufpassen wie ein Luchs, dass nicht irgendwo am Wegesrand etwas liegt. Hat man einen weg davon, steckt oft der nächste schon die Nase hinein.

Quelle: Tierisches Drogenproblem: Junkie-Kot macht Berliner Hunde high; Berliner Tagesspiegel, 21.10.2013