Schlagwörter

, , , , ,

Auch wenn ich mich zwangsweise gegenwärtig vegetarisch ernähren muss, bin ich doch im Grunde meiner Natur ein Veganer und werde auch wieder zur veganen Lebensweise zurückkehren, sobald mir dieses möglich ist. Selbstredend habe ich mich so auch mit der Frage beschäftigt, ob man auch Hunde vegan ernähren kann. Wer selbst den Konsum tierischer Produkte ablehnt, um Tierleid zu vermeiden, kommt unweigerlich irgendwann an den Punkt, wo klar wird, dass auch die Ernährung unserer Hunde das gleiche System der Massentierhaltung und des damit verbundenen Leids unterstützt. Wie aber ist das Dilemma, in welchem man mit einem Mal steckt, zu lösen?

Über Facebook stieß ich heute auf einen Beitrag mit dem Titel Erfahrungsbericht: Vegane Hundenahrung. In diesem Beitrag schildert eine Frau, wie sie genau in dieses Dilemma geriet und es dadurch löste, indem sie ihre Hunde fortan vegan ernährte. Sie fand, dass es mittlerweile ein gutes Sortiment an fertigen veganen Hundefuttern gibt, entschloss sich jedoch, das Futter für ihre beiden Hunde überwiegend selbst zu kochen. Seit zwei Jahren tut sie dieses nun und nach ihrer Aussage, mögen die Hunde ihr veganes Futter, es geht ihnen gut und sie sind gesund, was auch der Tierarzt bestätige. Warum der Hund auch als Pflanzenfresser gut zurecht kommt, begründet sie wie folgt.

Der Hund stammt vom Wolf ab, richtig. Aber im Laufe der Domestikation haben sich entscheidende Dinge geändert, weshalb der Hund aus heutiger Sicht zu den „Omnivore“ also „Allesessern“ gehört, welcher pflanzliche Nahrung und auch Stärke, spalten kann. Dies liegt vermutlich daran, dass der Hund früher hauptsächlich Tischabfälle, und somit viel pflanzliche Nahrung, bekommen hat.

Quelle: Erfahrungsbericht: Vegane Hundenahrung

Grundsätzlich stimmt die Aussage, doch sie ist sehr grob. Hunde sind Allesfresser, richtig, doch sie sind Allesfresser mit einer Physiologie, die stärker auf Fleischfressen ausgerichtet ist. Das zeigt sich an den Zähnen, wie am Aufbau des Verdauungstraktes, der in seiner Aufteilung und Länge noch immer mehr auf die Verdauung von Fleisch ausgelegt ist. Hunde können Stärke aufspalten. Das gelingt ihnen jedoch je nach Herkunft der Stärke unterschiedlich gut. Geschälter Reis wird zu 100% verdaut. Bei Kartoffeln, Weizen oder anderen Getreiden sinkt die Verdaulichkeit für Hunde jedoch stark. Die Ausschüttung von Magensäure wird durch Fleisch stärker angeregt als durch Pflanzenmaterial. Und anders als etwa bei uns fehlen Hunden bestimmte Verdauungsenzyme für pflanzliche Materialien.

Die Autorin des Beitrags gibt sich mit dem Kochen wirklich viel Mühe. Ein Aspekt bei der Auswahl und Zubereitung ist Purinarmut, da einer ihrer Hunde aus dem Mittelmeerraum Leishmaniose mitgebracht hatte und durch die Ernährung Spätfolgen gemildert werden sollen.

Auf dem Speiseplan der beiden stehen deshalb: Vollkornreis, Linsen, Buchweizen, Hirse, Karotten, Zucchini, Kartoffeln, Äpfel, Birnen, Beeren und noch weiteres Obst und Gemüse (je nach Saison-im Moment zum Beispiel ab und an Kürbis), sowie Nüsse, Samen und hochwertige Öle. Obst und Gemüse gebe ich weitestgehend roh und püriert. Den Rest koche ich mit etwas Gemüsebrühe schön weich.

Quelle: Erfahrungsbericht: Vegane Hundenahrung

Was sie ihren Hunden zubereitet, klingt gesund – aus Menschensicht. Die Frage ist nur, wie viel können die Hunde davon dann tatsächlich verwerten?

Der Trend zu vollwertigen und auch in der menschlichen Ernährung als gesund geltenden Zutaten macht auch bei der Hundeernährung nicht Halt, wie die Zutatenlisten vieler kommerzieller Futtermittel, ob Trocken- oder Nassfutter, belegen.

Nachdem, was ich in einem Buch über die Ernährungspysiologie von Hunden (Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik) gelesen habe, bin ich sehr skeptisch geworden, was eine rein vegane Ernährung von Hunden angeht.

Auf der Seite Vegan – die gesündeste Ernährung wird das Thema ebenfalls angegangen und wie zu erwarten, ist der Standpunkt klar.

Direkt am Anfang wird erklärt:

Ein Hund ist ein Allesfresser und kein Carnivore. Es wird zwar öfters so dargestellt, ist aber nicht korrekt. Sogar ein Wolf frisst den pflanzlichen Mageninhalt seiner Beute. Der domestizierte Hund ist bestens an die menschliche Ernährung angepasst.

Quelle: Vegan – die gesündeste Ernährung

Das ist allerdings sehr grob vereinfacht und der Wolf wird als Vergleich bemüht. Doch nur weil der Wolf wie alle Fleischfresser auch den pflanzlichen Mageninhalt seiner Beutetiere frisst, würde niemand auf die Idee kommen, ihn als Allesfresser bezeichnen zu wollen. Von daher finde ich das Argument schwach.

Im nächsten Schritt werden dann alle als ideologisch verblendet verurteilt, die Fleischfütterung als “artgerecht” darstellen. So radikal wie in diesem gesamten Beitrag argumentiert wird, frage ich mir natürlich, wer hier stärker ideologisch verblendet ist.

Und dann kommt eigentlich die zentrale Aussage wie dort “artgerecht” verstanden wird.

Artgerecht ist eine Ernährung dann, wenn sie dem Tier alle Nährstoffe zur Verfügung stellt, die es für ein gesundes und langes Leben braucht. Es kommt also ernährungsphysiologisch nicht darauf an, WOHER ein Tier die Nährstoffe erhält, sondern DASS es alle Nährstoffe erhält.

Quelle: Vegan – die gesündeste Ernährung

Wenn man artgerecht auf diese Art und Weise definiert, kann man Hunden tatsächlich Fleisch vorenthalten. Die Frage ist dann nur noch, wie man sicherstellen kann, dass Hunde tatsächlich alle Nährstoffe erhalten, die sie benötigen und dass man überhaupt weiß, weiche dieses sind.

Bei der veganen Ernährung von Menschen ist das Vitamin B12 durch die moderne Landwirtschaft ein Problem und muss durch Substitution angegangen werden, um Mangel vorzubeugen.

Bei Hunden gibt es zwei Nährstoffe, die auf natürlichem Wege nur über Fleischkonsum zu erhalten sind. Diese sind L-Carnitin und Taurin. Das erfährt man sogar auf einer Seite von PETA, auf welcher eine Studie über den Gesundheitszustand vegetarisch ernährter Hunde vorgestellt wird. Wie an mehreren Stellen angegeben wird, ist die Studie nicht vollständig und ich denke, auch die Anzahl der Studienteilnehmer ist nicht sonderlich groß. In der Studie geht es dann darum, welche Krankheiten bei den vegan ernährten Hunden auftraten in Relation zur Dauer der veganen Ernährung und zum Alter. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass vegan ernährte Hunde länger und gesünder leben. Man weiß aber auch:

Je länger ein vegan oder vegetarisch ernährter Hund ohne Zugabe der Aminosäuren L-Carnitin oder Taurin lebt, umso größer ist sein Risiko, an linksseitiger Herzerweiterung zu erkranken.

Quelle: Vegan – die gesündeste Ernährung

Man versucht am Ende das Problem mit der linksseitigen Herzerweiterung durch den Mangel an L-Carnitin oder Taurin sogar noch zu relativieren, indem man anmerkt, dass auch viele kommerzielle fleischhaltige Futtererzeugnisse für Hunde nicht ausreichend L-Carnitin oder Taurin enthalten. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Hunde diese beiden Aminosäuren benötigen.

L-Carnitin und Taurin können heute synthetisch erzeugt werden und der Nahrung als Zusatz beigemengt werden, um eine ausreichende Ernährung sicherzustellen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich sehr gespalten bin, was die vegane Ernährung von Hunden angeht. Fütterungstechnisch ist es durchaus möglich, viele Hunde vegan zu ernähren. Nicht jeder Hund verträgt jedoch eine vegane Ernährung gleich gut, wie Praxisbeispiele zeigen. Ob eine vom Menschen dem Hund aufgezwungene vegane Ernährung artgerecht ist, das möchte ich dahin gestellt lassen. Bei der Betrachtung dieses Themas ist eine Menge Ideologie im Spiel, von beiden Seiten. Ich selbst bleibe dabei, meine Hunde auch mit Futter tierischen Ursprungs zu ernähren, auch wenn ich damit als Veganer in der Zwickmühle stecke. Hielte ich einen Wolf, wäre das Dilemma das gleiche. Der Hund hat sich das Fleischfressen so wenig ausgesucht wie der Wolf. Es ist eben so. Der einzige Unterschied ist, dass der Hund durch seine Koevolution mit dem Menschen eine ernährungsphysiologische Anpassung erfahren hat, die es ihm erlaubt, große Teile seiner Ernährung pflanzlich zu bestreiten. Das macht ihn aber noch nicht automatisch zum reinen Pflanzenfresser.

Dummerweise haben wir heute sehr viele Hunde und auch Katzen und die wollen ernährt werden. Ich las einmal, es bräuchte die Menge der Tiere, die man in Neuseeland “produziert”, um alle Hunde und Katzen der westlichen Welt, sprich Europas und Nordamerikas, zu ernähren. Dass dieses nicht ohne Folgen für diese Nutztiere bleibt, ist klar. Leider unterstützt dieses auch das System der Massentierhaltung. Und selbst wenn alle diese Tiere artgerecht gehalten würden, müssten sie eines Tages sterben für die Hunde und Katzen der Menschen. Und da steht man nun und merkt, so einfach ist eine Lösung nicht, außer man geht den radikalen veganen Weg. Es ist wieder eine Entscheidung, was mehr Gewicht hat, die der Natur des Hundes am ehesten entsprechende Ernährung oder die Vermeidung von Tierleid.

Hunde würden sich sicher für Fleisch entscheiden, wenn man ihnen die Wahl ließe. Alles andere halte ich für ein Gerücht.