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Seit Dienstagnachmittag bin ich wieder zu Hause. Etwas über 11 Wochen war ich im Krankenhaus. Schon bevor ich mein kleines Rudel verlassen musste, war meine kleine alte Dame nicht mehr wirklich gut drauf. Doch sie fraß noch gerne, legte sich gerne mit meiner Mutter ins Bett (wo sie auch übernachtete) und lief auch noch eine Runde am Tag. In der Zeit meiner Abwesenheit ist es doch sehr bergab mit ihr gegangen. Als ich sie jetzt wiedersah nach der langen Zeit war sie stark abgemagert und fast vollkommen blind und taub. Immer wieder kam es zu Situationen, in welchen sie mit Yoschi aneinander geriet, da dieser – wie an anderer Stelle beschrieben – nach seinen Erfahrungen mit ihr nicht gut auf sie zu sprechen war. Meist stand sie dann hilflos in Abwehrhaltung, fletschte die Zähne gegen den Feind, den sie kaum ausmachen konnte. Noch gestern gerieten die beiden aneinander. Schnell lag sie unten. Noch vor Monaten war es genau anders herum.

Heute war sie nicht gut drauf, schlief viel und fraß langsam und mühsam. Ich brachte sie mehrfach zum Wasser und setzte sie in den Garten. Dort machte sie brav ihr Geschäft. Das klappte alles gut. Doch danach lief sie mit wenig Orientierung um Garten herum. Das beobachtete ich auch in den Tagen davor. Manchmal fand sie die Tür, oft holte man sie und brachte sie ins Haus zurück. Am Nachmittag nahm ich ihre Temperatur, da ich den Eindruck hatte, sie habe Fieber. Und tatsächlich waren es 39,2 °C. Sie hatte eine Schwellung am Unterkiefer, die mir bei Berührung schmerzhaft schien. Also rief ich meinen unbezahlbaren Tierarzt an, schilderte ihm die Lage und wir konnten vorbei kommen. Er tastete sie ab. Es war ihr sehr sehr unangenehm. Die Zunge war es nicht. Es schien eine Entzündung der Unterkieferknochen.

Schon seit zwei Tagen hatte ich hin und her überlegt, ob es nicht besser sei, ihr den Gnadentod zu gewähren, meinem alten Mädchen. Leicht mache ich mir so etwas nicht. Das Herz war noch stark, die Verdauung klappte, doch sie litt unter ihrer Blindheit und schien mir oft verloren und einsam. Als ich nach Hause kam, war ihre Begrüßung ein kleines Lecken an meiner Hand, mehr nicht, und ich war Anderes von ihr gewohnt. Ich nahm mir sehr viel Zeit, beobachtete sie und setzte mich neben sie, wenn sie im Korb lag. Dort streichelte ich sie und sie leckte mir dankbar die Hand. In den Wochen meiner Abwesenheit hatte niemand so viel Zeit für sie erübrigt. Wie oft wartete sie auf meine Mutter, der sie nicht von der Seite wich, wenn diese für sie unerreichbar im Keller zu tun hatte oder in der Stadt war zum Einkaufen.

Ich beriet mich also mit dem Tierarzt und er meinte, diese Entzündung bei einem Hund in diesem Zustand sei sicherlich ein Grund, zu überlegen, wie es weitergehen solle. Auch er macht es sich nicht leicht, und er war es, der vor einigen Jahren nach der Nierenentzündung meinte, es könne eben nur eine Entzündung sein und kein Versagen, wie die Tierklinik diagnostiziert hatte. So schläferten wir sie entgegen der Empfehlung der Tierklinik nicht ein und sie lebte weiter mit Freude und Energie. Bis heute. Es viel mir wahrlich nicht leicht, doch ich kann damit umgehen. Meine Mutter hatte ich gebeten, mitzukommen und Jackie auf dem Schoß zu halten während der Fahrt zum Tierarzt. Eigentlich wollte sie nie dabei sein, wenn ein Hund eingeschläfert wird. Doch ich denke, es hat ihr ein wenig geholfen. Sie sah, dass Jackie schnell und friedlich über die Regenbogenbrücke ging. Auch ich hatte feuchte Augen und musste die Nase schnäuzen. Wir hatten ihre Lieblingsdecke dabei, von meiner Mutter gestrickt. Die legten wir auf den Behandlungstisch und darauf legten wir Jackie. Sie wollte wieder aufstehen als ahnte sie, dass etwas geschehen würde. Ich hielt sie fest während er Tierarzt, assistiert von seiner Frau, ein wenig das Bein rasierte. Er hatte zwei Spritzen vorbereitet, stach eine Nadel in die Vene und gab zunächst die Betäubungsspritze und dann die tödliche. Es dauerte keine Minute, da war sie tot. Ich trug sie in ihrer Decke in Auto. Zu Hause legten wir sie in den Korb in der Diele. Die anderen Hunde waren neugierig. Ich wischte noch das Blut vom Bein und deckte sie zu. Es scheint als schliefe sie friedlich, nur hebt und senkt die Decke über ihrem Brustkorb sich nicht mehr im Takt des Ein- und Ausatmens. Meine kleine Jackie, ich werde sie vermissen, aber nie vergessen. Sie war einzigartig wie jeder Hund auf seine Art und Weise, ein typischer Jack Russell Terrier, lebendig, neugierig, anhänglich, wärmebedürftig, verschmust, anschmiegsam, verspielt, wachsam, …

Ich verbinde sehr viel mit dieser kleinen Hundedame, endlose Spaziergänge im Wald, über Felder und Wiesen, mit zahlreichen Abenteuern auf den Spuren der Tiere des Waldes, viele Besuche bei Freunden, lange Autofahrten, zwei Reisen nach Finnland mit der Fähre und so viel mehr. Sie war mein ständiger Begleiter. Überall hin durfte sie mit. In den letzten Jahren wurde sie natürlich ruhiger und die Abenteuer wurden weniger. Nachdem mein alter Dackel gestorben war, kam Yoschi und es dauerte fast ein halbes Jahr bis die beiden sich als Team verstanden. Selbst mit den beiden jungen Hunde klappte es recht gut. Im letzten halben Jahr wurde es dann schwieriger mit ihr, da sie immer schlechter sah und vieles falsch einschätzte, vor allem, wenn es ums Futter ging.

Vorhin war sie noch lebendig und nun ist sie tot. Ich kann es kaum glauben und fasse sie immer wieder mal an, lege die Hand auf den Brustkorb. Kein Herz schlägt dort mehr, kein Atem hebt und senkt den Brustkorb. Sie wird langsam kalt, unter der Decke etwas langsamer.

Ich werde sie immer in meinem Herzen tragen, wie auch meine anderen Hunde. Und in der Erinnerung lebt sie fort, und vielleicht sehe ich sie eines Tages wieder und dann hoffe, ich, dass sie mit meiner Entscheidung von heute einverstanden ist.

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