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Nach dem morgendlichen Spaziergang beschloss ich, mal wieder ein wenig Bälle im Garten zu werfen für die Hunde. Zunächst durfte Little Amiga raus und ich scheuchte sie hin und her mit einem Tennisball. Sie war begeistert, denn diese Art von Spiel hatte sie schon monatelang, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht mehr gespielt. Nachdem ich das Gefühl hatte, sie hatte soweit genug, schickte ich sie ins Haus und Floppy durfte in den Garten kommen. Auch er war begeistert und jagte dem Ball geschwind hinterher, um ihn mir wieder zurückzubringen. Dann sollte als dritter Yoschi an die Reihe kommen. Dummerweise saß er nicht hinter der Haustüre. Als ich ihn rief und er kam waren flugs auch die anderen beiden schon wieder mit im Garten. Das war nicht, was ich geplant hatte. Ich hielt Yoschi den Ball hin und Yoschi griff mit dem Maul zu. Die anderen beiden waren sofort dabei, Floppy rechts, Little Amiga links, denn auch sie wollten auf erneut den Tennisball haben. Floppy muss wohl geknurrt haben und Yoschi ziemlich dicht auf die Pelle gerückt sein. Das wurde ihm schnell zu viel. Er ließ den Ball fallen, machte einen großen Schritt nach vorne bellte wütend. Dann ergab eines das andere. Floppy stürzte sich auf Yoschi und Little Amiga tat es ihm nach. Das ist das Gemeine an der ganzen Geschichte. Die beiden gehen immer gemeinsam auf Yoschi los. Nur dann fühlen sie sich wirklich stark.

Ich hatte Handschuhe an und wartete auf eine Gelegenheit, die Hunde zu trennen, ohne selbst wieder Blessuren davonzutragen. Floppy griff immer vorne am Kopf und Hals an und Little Amiga packte Yoschi mitten im Rücken. Das macht sie übrigens immer so, denn mehr traut sie sich scheinbar nicht. Während Yoschi vorne abgelenkt ist, kann sie hinten bedenkenlos zugreifen. Überraschend war wie immer, mit welcher Vehemenz Floppy auf Yoschi losging. Das ist schon erstaunlich. Der eigentlich so furchtsamen und extrem ängstliche Floppy meint hier zu Hause gegenüber Yoschi den großen Mann markieren zu können, natürlich nur, wenn er der Rückendeckung von Little Amiga sicher sein kann. Ich konnte Little Amiga recht fix im Rücken packen und hochheben. Und so hielt ich sie während ich dem Kampf von Yoschi und Floppy zusah und auf die Gelegenheit wartete, auch Floppy greifen zu können. Dazu brauche ich idealerweise einen Augenblick, wenn er ablässt. Yoschi hatte seine liebe Not mit dem aggressiven Floppy, denn dieser ist schnell und wendig, vor allem viel schneller und wendiger als er. Ganz am Anfang lag der arme Yoschi sogar auf dem Rücken. Selbst da ließ Floppy nicht ab. Dann schaffte Yoschi es wieder nach oben zu kommen und ging selber zum Angriff über. Er hatte Floppy so gerade ein wenig gepackt, da entwand sich dieser wieder und ging seinerseits erneut auf Yoschi los. Immer hing er ihm am Hals oder sonst irgendwo am Kopf. Er war wie eine Furie, so scheinbar richtig in seinem Element. Dummerweise entrutschte Little Amiga meinen Armen und stürzte sich sogleich erneut in den Kampf, wieder packte sie Yoschi im Rücken. So schnell sie sich entwunden hatte, zu schnell hatte ich sie auch wieder am Wickel gepackt und aus dem Kampfgeschehen heraus befördert. Kurz darauf konnte ich auch endlich Floppy packen und die Kampfhandlungen beenden. Wir gingen alle ins Haus, wo ich Yoschi erst einmal auf Schäden untersuchte. Zunächst fand ich nichts, weder am Kopf noch am Hals. Auch an Floppy gab es nichts zu finden außer nassen Fells. Was sehr übel ausgesehen hatte, war zum Glück doch nicht so ernst, dass die beiden sich verletzt hatten. Umso erstaunter war ich eine Weile später, als ich Yoschi ein wenig tröstete und streichelte, als ich dann im dunklen Fellfleck am Rücken eine leicht rötliche Verfärbung der schwarzen Haare zu sehen glaubte. Ich fühlte nach und hatte gleich etwas Blut in den Fingern. An einer Stelle, so fand ich nach einigem Suchen zwischen den vielen Haaren, hatte ein Reißzahn Little Amigas die Haut punktiert. Von meiner eigenen Verletzungen der Hand aus dem letzten Hundekampf hatte ich noch die Tube mit Betaisodona aus der Apotheke. Daraus holte ich mir einen Klecks auf dem Zeigefinger, und mit diesem strich ich die Stelle ein mit dem Loch, nachdem ich es unter all den vielen Haaren wieder gefunden hatte.

Der letzte Streit dieser Art unseren Hunden war beim Spielen ausgebrochen. Da allerdings hatte Yoschi missverständlich geglaubt, Little Amiga wolle an sein Spielzeug und wollte es verteidigen. Eigentlich entstehen die meisten dieser Konflikte, in welchen dann Yoschi verständlicherweise irgendwann den Kaffee auf hat, nachdem Jungspund Floppy in mal wieder quer von der Seite angemacht, beim Spielen. Genau aus diesem Grund hatte ich die Situation entschärfen wollen, indem ich mit den Hunden getrennt spielte. Keine Probleme gibt es beim Spielen, wenn so wie im Sommer jeder Hund sein eigenes Spielzeug hat und vor allem Yoschi auch gar kein anderes Spielzeug haben möchte, als jenes welches er gerade hat. In dem Moment, wo er Interesse an einem Spielzeug der anderen hat, vor allem einem Tennisball, mit welchen die andern gerade gespielt haben, gibt es Knatsch.

Nach dem Zwischenfall heute war Yoschi verständlicherweise ziemlich verstimmt gegenüber Floppy. Dass er Little Amiga gegenüber weniger verstimmt war, hing wohl vor allem damit zusammen, dass er ihren Angriff vermutlich kaum mitbekommen hatte, da Floppy seine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog.

Beim Spaziergang am Nachmittag waren wir schon eine Weile unterwegs, als ich beobachtete, wie Floppy von hinten links freundlich wedelnd auf Yoschi zuging. Als er weit genug vorne am Kopf Yoschi angelangt war, bemerkte dieser seiner Annäherung, knurrte leicht und Floppy drehte enttäuscht ab. Er versuchte es noch einmal mit dem gleichen Ergebnis. Dann kam er zu mir, sprang mich an und schaute fragend an mir empor. Das konnte er nicht verstehen. Nachdem er sich bei mir vergewissert hatte, unternahm er einen dritten Anlauf. Wieder wedelte er aufs freundlichste und näherte sich Yoschi an und wieder erntete er nichts als ein leises Knurren. Das konnte er absolut nicht verstehen. Und noch einmal kam er zu mir, stellte sich an mich und schaute fragend zu mir nach oben. Vielleicht wollte er wissen, ob er etwas falsch gemacht hatte. Darauf hätte ich ihm eine leichte Antwort geben können. “Der Fehler liegt schon ein paar Stunden zurück,” hätte ich ihm geantwortet, hätte er mich tatsächlich gefragt. Noch einen letzten Versuch startete Floppy, nur um wieder zurückgewiesen zu werden. Dann gab er auf und hielt einen respektvollen Abstand zu Yoschi.

Für mich gilt in Zukunft nur eines. Alle müssen Spielzeug haben und es darf nicht zu Situationen kommen, wo Floppy allen voran, das Gefühl hat, Yoschi nimmt ihm jetzt sein Spielzeug weg. Und wichtig ist, es dürfen nicht Floppy und Little Amiga gemeinsam bei Yoschi sein, falls es solche unklaren Situationen gibt, denn ohne Rückendeckung traut sich Floppy nicht, mehr zu unternehmen. Heute hätte ich mir die Mühe machen müssen, die anderen beiden ins Haus zu scheuchen, um wirklich alleine mit Yoschi spielen zu können. Der Zwischenfall war unnötig und ich kann nur hoffen, dass er das Verhältnis von Yoschi zu den anderen beiden nicht auf Dauer belastet, denn dann hätte ich ein Problem mehr.