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Manchmal kann die einzige Dame in meinem kleinen Rudel absolut unersättlich sein. Manchmal? Nein, eigentlich ist sie immer maßlos verfressen. Jeden Vormittag, so eine Weile nach dem Spaziergang gibt es etwas Arbeit für das Gebiss. Die Hunde lieben es. Interessant sind dabei aber die verschiedenen Vorlieben. Sehr angesagt bei allen sind Dörrfleisch, Trockenpansen, Rinderwangenfleisch und Schlundstangen. Die sind nicht nur appetitlich, sondern bieten wenig Widerstand. Vor allem Herr Yoschi liebt die etwas weicheren Sachen. Rinderkopfhaut oder Ochsenziemer, so lecker sie auch sein mögen, er lässt sie meist liegen und hofft auf eine Alternative. Dass er überhaupt hofft, kommt natürlich nicht von nichts. Ich selbst bin Schuld daran, da ich ihm dann auch etwas Anderes gegeben habe. So erzieht man sich wählerische ältere Herren.

Little Amiga nimmt alles mit Freude. Meist gebe ich ihr schon ein etwas größeres und dickeres Stück und hoffe, sie hat lange genug damit zu tun, solange zumindest bis auch die anderen soweit sind. Eine Zeit lang legte sie sich nämlich vor einen der anderen, bevorzugt vor Herrn Yoschi, fixierte diesen und bellte ihn immer wieder an. Was sie damit bezweckte, war leicht ersichtlich. Sie wollte Yoschis Leckerchen für sich einfordern.

In der Regel ist es aber gar nicht notwendig, zu bellen und zu fixieren. Es geht auch leichter, braucht nur etwas Geduld, wie die Bilderfolge oben zeigt. Herr Yoschi hat sich tatsächlich ein Stück sehr dünne Rinderkopfhaut mit in die Wohnung meiner Eltern genommen. Dort lässt er sie erst einmal in der Diele liegen. Little Amiga liegt im großen Korb und schätzt ihre Chancen zu einem schnellen Diebstahl ab. ‘Mist, da ist ja der Chef in der Nähe und macht auch noch ein Foto.’ Herr Yoschi kommt aus der Küche, in welcher er war, zurück und positioniert sich neben seinem Leckerchen. Mitunter knurrt er sogar, wenn sich Floppy nähern sollte. Der kleine Schwarze ist ihm sowieso immer wieder ein Dorn im Auge, so wie der Jungspund sich ihm gegenüber aufspielt. An diesem Tag ist er aber nicht in Sicht. Little Amiga wartet weiter geduldig im Korb auf ihre Chance. Derweil wälzt sich Herr Yoschi mit Behagen auf dem Rücken auf dem dicken Teppich in der Diele umher und reichert den Teppich mit Haaren aus dem Fellwechsel für meinen Dyson Staubsauger an. Nach einer Weile verlässt Yoschi die Diele. Little Amiga wittert eine Chance und legt sich näher an das Leckerchen, welches Yoschi zuvor mit wenig Begeisterung zwei- oder dreimal bekaute. Da sie sieht, dass ich sie im Auge habe, schaut sie bewusst zur Seite, weg vom Leckerchen. ‘Keine Sorge, Chef, ich bin wirklich nicht interessiert.’ Ich nähere mich und sie schaut mich fragend an. Als ich dann sage, “Nimm es.” traut sie ihren Ohren vermutlich kaum, zögert aber nicht lange und nimmt es.

Sonst ist es meist genau anders herum. Ich komme hinzu und entdecke, dass sie Yoschis Leckerchen geschnappt hat. Dann sitzt sie mit eingezogenen Schultern im Korb oder auf ihrem Sessel, schau mich schräg von unten an und hofft, ich merke nichts. Man sieht aber genau, dass sie weiß, dass sie etwas getan hat, was ich nicht gutheiße. Wenn Yoschi tatsächlich mal an seinem Stück Rinderkopfhaut oder Ochsenziemer gearbeitet hat, es aber nur mal wieder vor Tölpeligkeit hat liegen lassen, dann nehme ich es ihr schon weg und gebe es ihm. Hat sie es dann zum zweiten Mal, lasse ich es ihr, denn dann ist Yoschi eben nicht zu helfen.