Schlagwörter

, , , ,

„Hunde entschlüsselt“, „Die Beziehung Mensch-Hund verstehen“ lautet der Titel eines Filmes, der den aktuellen Stand zur Hundeforschung in Bezug auf das Zusammenleben von Hund und Mensch zusammenfasst. Leider ist der Film in englischer Sprache. Für alle die, welche ausreichend gut Englisch können, lohnt es definitiv, den Film anzusehen. Dem Film geht es vor allem darum zu zeigen, dass Hund und Mensch sehr eng miteinander verbunden sind. Die meisten Hundehalter, die ein ähnlich inniges Verhältnis zu Hunden haben wie wir in der westlichen Welt, betonen immer wieder, wie eng ihre Verbindung zu ihrem Hund ist und wie gut man sich gegenseitig versteht. Diese Aussagen werden dann mit Ergebnissen der aktuellen Forschung zu einem großen Teil unterlegt.

  • Hunde sind schon sehr lange mit dem Menschen zusammen. Betrachtet man nur das Skelett und vergleicht es mit dem Wolf, so zeigen sich deutliche Veränderungen erst etwa 10.000 – 15.000 Jahre in der Vergangenheit. Mit Mitteln der Genetik lässt sich durch Untersuchungen der mitochondrionalen DNA nachweisen, dass die Abspaltung vom Wolf sogar schon mehr als 100.000 Jahre zurückliegt. Außerdem konnte so zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass der Hund ausschließlich vom Grauwolf abstammt, egal wo auf der Welt man untersucht.
  • Hunde und Wölfe haben sich im Laufe ihrer Entwicklung in vielen Bereichen auseinanderentwickelt, auch wenn sie genetisch noch immer so eng verwandt sind, dass sie gemeinsame Nachkommen haben können.
  • Dass unsere Hunde sich verhalten wie sie es tun, hängt nicht damit zusammen, dass sie mit Menschen aufwachsen. In Ungarn zog man Wolfswelpen exakt so auf wie Hundewelpen und trotzdem verhielten sie sich nicht wie Hunde. Sie interessierten sich wenig für ihre Menschen und ihr Verhalten wurde ab einem gewissen Alter so zerstörerisch, dass sie aus dem Haus mussten.
  • Anders als Hunde reagierten die jungen Wölfe auch nicht auf Zeigegesten von Menschen. Hunde können das leicht und zwar von klein auf. Sie reagieren sogar auf den Blick des Menschen und entnehmen ihm die Richtung in die man schaut. Primaten, unsere nächsten Verwandten im Tierreich, sind anders als Hunde weder in der Lage, auf Fingerzeig noch auf Blick eine Richtung zu verstehen.
  • Man vermutet aufgrund ihres Körperbaus (z.B. kürzerer Kopf) und ihres Verhaltens (z.B. sehr verspielt), dass Hunde heute in ihrem Verhalten eher bei einem welpenhaften Verhalten stehengeblieben sind.
  • Menschen schauen bei Menschen zuerst auf die linke Gesichtshälfte und entnehmen dort Informationen dazu, wie der Gegenüber sich fühlt (entspannt, traurig, aggressiv, …). Hunde, so konnte man ermitteln, machen dieses genauso, wenn sie Menschen ansehen. Bei anderen Hunden aber tun sie es nicht.
  • Hunde können die Emotionen von Menschen scheinbar recht genau einschätzen. Interessanterweise können auch Hundebesitzer über Lautäußerungen von Hunden gut einschätzen, wie der Hund sich gerade fühlt. Dazu nahm man die Lautäußerungen von verschiedenen Hunden in Situationen wie Verlassensein, Spielaufforderung, am Zaun bellen usw. auf. So ermittelte man sechs verschiedene Grundformen der Lautäußerung. Spielte man diese Tonaufnahmen nun fremden Hundehaltern vor, konnten sie in den meisten Fällen recht genau sagen, was in dem Hund vorging, etwa dass er sich alleine fühlte, jemanden zum Spielen auffordern wollte oder etwas am Zaun verbellte.
  • Es sind übrigens nur Hunde, die sich derart eng an den Menschen binden und so sehr auf den Menschen eingestellt haben.
  • Wenn eine Frau Mutter wird und ihr Kind stillt, schüttet der Körper Oxytocin aus, ein Hormon, welches die Bindung zwischen Mutter und Kind verstärkt. Man nahm im Labor Hundehaltern und ihren Hunden Blut ab, bevor man dem Halter erlaubte, dass er den Hund zu streicheln begann und während er ihn streichelte. Völlig überraschend zeigte sich, dass sowohl beim Menschen als auch beim Hund während des Streichelns Oxytocin ausgeschüttet wurde.
  • Manche Hunde sind zu außerordentlichen kognitiven Leistungen im Stande, etwa der Abstraktion. Vorgestellt wurde ein Border Collie aus Österreich, der mehr als 200 Gegenstände mit ihrem Namen verknüpft hat und sie auf Namensnennung aus einem anderen Zimmer holt. Er ist auch in der Lage, sie zu erkennen, wenn man ihm eine kleinere Version des Objektes vorhält oder sogar, wenn man nur ein Bild davon zeigt. Dies, sie die Wissenschaftlerin, die dieses untersucht hat, entspricht dem kognitiven Vermögen eines dreijährigen Kindes.
  • Der Hund wurde als erstes Haustier vom Menschen domestiziert. Wie in etwa dieses vonstatten gegangen sein könnte, zeigen Experimente russischer Wissenschaftler in Sibirien. Dort züchtet man seit mehr als 50 Jahren Silberfüchse. Man begann mit Tieren aus einer Pelzfarm. Selektiert wurde nach Friedfertigkeit gegenüber Menschen. So erhielt man im Laufe der Zeit Silberfüchse, die zahm und menschenfreundlich sind wie Hunde. Die Eigenschaften werden vererbt, wie man zeigen konnte. Wurden Welpen einer friedlichen Mutter von einer aggressiven aufgezogen, blieben die Welpen trotzdem menschenfreundlich und umgekehrt. Selbst als man Föten einer menschenfreundlichen Mutter einer Menschen gegenüber aggressiven Mutter einpflanzte und umgekehrt, änderte dieses nichts am ererbten Verhalten der Silberfüchse. Noch eine Beobachtung machte man. Mit der Entwicklung zu friedfertigen Silberfüchsen ging auch eine äußere Veränderung einher. Die Fellfarbe variierte bis hin zu weiß und gefleckt, es gab Ringelschwänze und Schlappohren.
  • Auch bei Hunden ist ihr Verhalten gegenüber dem Menschen als Folge einer langen gemeinsamen Entwicklung genetisch verankert.

Fazit des Films ist, dass Mensch und Hund sich auf vielen Ebenen sehr nahe sind und es sogar sehr wahrscheinlich ist, dass der Mensch erst durch den Hund zu dem wurde, was er heute ist, als Folge einer Co-Evolution.

(Ich hoffe mal, ich habe das soweit alles aus dem Gedächtnis vollständig und korrekt wiedergegeben.)

Die Autorin des Blogs Höllenhunde, bei welcher ich den Film übrigens fand, hat noch eine Ergänzung zu meinem Text geschrieben mit interessanten Links und Informationen, die auch mir noch neu sind.

Ich möchte zu deiner guten Zusammenfassung noch ein Detail loswerden, die eher auf die Aussage der Dokumentation (die ich ja selbst verlinkt habe) abzielt.
Es gab schon vor längerer Zeit einige Hypothesen, wonach der Hund nicht vom heutigen Grauwolf abstammt, sondern dass beide von einem gemeinsamen Urahn abstammen. Die DNA-Anylyse, die zeigt, dass Hunde und Wölfe fast identisch sind, sollte eher widrlegen (bzw. herausfinden, ob), dass der Hund keine Mischform aus Wölfen und anderen Caniden ist (Kojoten sind z.B. kreuzungsfähig – man nimmt an, dass der Rotwolf so entstanden sein könnte.)
Dies würde auch durchaus miterklären, warum sich Hund und Wolf im Sozialleben durchaus voneinander unterscheiden (Hund: semisolitäres Lebewesen ohne Paarbindung in der Regel; Wolf: monogames Tier im Familienverband in der Regel), aber kaum von der DNA her.
Man geht mittlerweile sogar sehr stark davon aus:
Gemeinsamer Vorfahr? 

Hier noch ein weiterführender Linkt zur Studie darüber

Das ist meiner Meinung nach eine fundamentale Erkenntnis und endlich ein sehr stichhaltiger Beweis, dass wir uns keine domestizierten Wölfe (wie wir sie heute kennen) halten, sondern eigenständige, davon fast unberührte Tiere, deren Sozialpartner schon “immer” wir waren. So hat der Hund nicht das Familienleben im Wolfsrudel gegen eine Partnerschaft an unserer Seite getauscht, sondern war von Anfang an kein “Rudeltier” im engeren Sinne. Zusätzlich unterstützt es all die Expertenmeinungen zum Thema Hundeerziehung und spricht gegen veraltete Rangordnungsmythen.
(Dabei liebe ich Wölfe, das klingt nun alles so “gegen Wolf” 😉 )

Auch die Ernährung bzw. der Anschluss an den Menschen hat wahrscheinlich den Hund zum Hund gemacht (weswegen ich reinem BARF gegenüber sehr kritisch bin, weil der Hund eben kein Wolf ist oder gar war!):
Futterwandel machte Wolf zum Hund

(Source: hoellenhunde)

Advertisements