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Heute beim Spaziergang waren wir im noch vom Regen der Nacht nassen Wald unterwegs und wie immer am frühen Morgen war der Wald voll der Witterungen seiner wilden Bewohner. Mit all diesen höchst vielversprechenden Düften standen Little Amiga und auch Floppy unter Strom. Mit gespitzten Ohren und gehobenen Ruten, die Stirn angespannt in Falten gelegt, liefen sie mit mir durch den Wald. Yoschi war die Ruhe, wie immer. Er war lediglich an den Duftspuren und Markierungen anderer Hunde interessiert.
Wir hatten mal Glück und es lief uns kein Hase über den Weg, auch kein Eichhörnchen und auch kein Reh. Sogar die Eichelhäher waren nicht zu hören. Wenn sie richtig loslegen, versetzt dieses auch jetzt noch Little Amiga und Floppy in höchste Aufregung und sie bellen und springen umher.

Wie auf vielen solchen Spaziergängen hatte ich meine Arbeit, Little Amiga neben mir zu halten. Sie weiß eigentlich recht genau, so scheint es mir, was ich von ihr möchte. Trotzdem schiebt sie sich immer wieder nach vorne. Auf einen Ton von mir, ist sie dann wieder neben mir und nach wenigen Schritten beginnt sie wieder, sich nach vorne zu schieben. Dass sie mal auf längere Strecke ordentlich neben mir geht, schaffe ich nur, wenn ich in gutem Tempo gehe. Das aber ist mit Yoschi kaum möglich. Das aber nur nebenbei.
Wir waren schon wieder auf dem letzten Teil der Runde durch den Wald, als ich Little Amiga stoppte und aufforderte, mich anzuschauen. Das ignoriert sie gerne, wenn es im Wald viel Ablenkung gibt. Auch diesmal dauerte es eine Weile bis sie schaute. Wir gingen weiter, Little Amiga schob sich nach vorne und war vor mir. Ich wollte sie an der Leine stoppen und merkte zu meinem Schrecken, dass Leine und Hund nicht mehr verbunden waren. Irgendwie hatte der kleine Karabiner sich geöffnet. Wie dieses passieren kann, ist mir noch immer nicht klar. Schon in den letzen Wochen war es mir zwei- oder dreimal passiert, dann aber noch bevor wir unser Grundstück verlassen hatten. Ich hatte vermutet, dass ich den Karabiner vielleicht nicht richtig eingehakt gehabt hatte. Solches war diesmal garantiert nicht der Fall. Seit sich der Karabiner die zwei- oder dreimal gelöst hatte, prüfe ich jedes Mal, bevor wir aufbrechen, ob alles wirklich sicher verbunden ist, und das nicht nur bei Little Amiga, sondern auch bei Floppy und Yoschi. Es war alles in Ordnung gewesen und außerdem waren wir eine ganze Runde gelaufen und alles hatte gehalten, wie es sollte.
Als ich Little Amiga aufgefordert hatte, mich anzusehen, hatte ich nichts an der Leine gemacht, war nicht einmal mit der Hand in der Nähe des Karabiners gewesen. Sie hatte sich kurz gesetzt, die Leine war dabei entspannt. Es muss also die Schließe des Karabiners irgendwo hängen geblieben sein als Little Amiga wieder aufstand und loslief. Und dabei hatte der Karabiner sich dann vom Ring am Geschirr gelöst und damit war Little Amiga nicht mehr angeleint.

Sie hatte es anfangs selbst nicht gemerkt. Erst als ich es merkte und wohl einen verwunderten Ton von mir gegeben hatte, schaute sie sich um, merkte es ebenfalls und nutze ihre gewonnene Freiheit sofort aus. Wie ein geölter Blitz schoss sie davon ins Unterholz des Waldes mit jungen Buchen. Ich kann mir gut vorstellen, mit welcher Freude und Energie sie dann zwischen den Bäumen und Sträuchern umher jagte auf den Spuren der Tiere des Waldes. Es dauerte bestimmt fünf Minuten bis ich sie wieder zu Gesicht bekam. Sie hielt Abstand, warf einen kurzen Blick zu mir, ignorierte mein Rufen und war wieder verschwunden. Diesmal blieb sie länger verschwunden. Pfeifen, Rufen, nichts. Nach einer Weile war sie wieder da, kam aber nicht heran und war schon wieder verschwunden. Das wiederholte sich noch einmal, bevor sie auf der anderen Wegseite in den Wald verschwand. Mir blieb nichts als zu warten. Hätte Floppy mal gebellt, wäre sie sehr schnell bei mir gewesen, um zu sehen, was los ist. Leider aber hielt Floppy still. Bliebe er mal im Garten so still, wenn ich mit ihm spiele! Es dauerte noch einmal eine Weile, dann kam Little Amiga im vollen Galopp den Weg, den wir gerade gekommen waren, geradewegs auf uns zugestürmt. Es schien, sie hatte genug. Ich glaubte es aber erst als ich sie tatsächlich am Geschirr gepackt hatte. Mein Lob, dass sie gekommen war, schien sie nicht zu interessieren, auch das angebotene kleine Leckerchen nicht. Vielleicht dachte sie, wofür, ist doch selbstverständlich, dass ich wieder zu dir komme? Keine Ahnung. Floppy schnupperte interessiert an ihrem Maul und ich meinte, einen Hauch von Rehkot zu riechen. Sie hatte definitiv irgendwas gefunden und aufgenommen auf ihrem Streifzug.
Auch wenn ich nicht damit gerechnet hatte, dass sie schon alleine nach Hause hätte laufen wollen oder auf was weiß ich welche Abwege gegangen wäre oder sonst etwas Schlimmes, so war ich natürlich gigantisch erleichtert, dass sie wieder bei mir war. Nach diesem Erlebnis gefällt mir die Leine in Verbindung mit Little Amiga gar nicht mehr, vor allem wenn ich daran denke, was passieren könnte, wenn es damit in der Stadt Probleme gäbe. Nicht auszumalen, wie es enden könnte. Darauf will ich es nicht ankommen lassen. Nun muss ich mal sehen. Von den Leinen habe ich für jeden Hund eine in einer anderen Farbe, dass ich leicht sehe, welchen Hund ich wo halte. Will ich das System beibehalten, müsste ich also gleich drei Leinen kaufen.