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Dass mit Yoschi definitiv etwas nicht stimmt, ist nach den letzten Ereignissen wohl klar. Von Anbeginn an vermutete ich, dass sein völlig anderes Verhalten durch Schmerzen ausgelöst worden war. Irgendwie war er scheinbar auf die Idee gekommen, dass es zwischen den Schmerzen und seinen Menschen einen Zusammenhang gab. Interessanterweise scheine ich für ihn der Hauptschuldige zu sein, und bekomme damit sein Meide-  und Abwehrverhalten am meisten zu spüren. Betroffen ist, wenn auch nicht in gleichem Maße, meine Mutter. Nachdem er mir ein paar Tage lang bei Annäherungen und Versuchen, ihn anzufassen, selbst beim Anleinen mit Knurren, Zähnefletschen und Bellen mehr als deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass er nichts von allem dem wollte, und er mich in einem Fall sogar völlig überraschend in die Hand gebissen hatte, obwohl er nicht mehr hinkte, somit scheinbar in der rechten Schulter auch keine Schmerzen mehr haben sollte, beschloss ich, zu meinem Tierarzt zu fahren. Vielleicht waren da noch andere körperliche Ursachen, die ich so nicht feststellen konnte. Mein Tierarzt untersuchte ihn von Kopf bis Fuß, schaute sich Zähne, Ohren und Augen an, Tastet die Beine und Gelenke, den Bauch und die Wirbelsäule ab und hörte Herz und Lunge ab. Bis auf eine leichte Empfindlichkeit an der Wirbelsäule, ein gutes Stück hinter den Schulterblättern, war nichts zu finden. Die Empfindlichkeit an der Wirbelsäule stufte mein Tierarzt aber auch nicht als bedenklich ein. Also beschlossen wir, noch ein Blutbild zu machen, um ganz sicher zu gehen. Vielleicht war irgendein Wert nicht OK, vielleicht ein Entzündungswert vorhanden. Nichts von allem dem fand sich, wie ich heute erfuhr. Beim Besuch schlug mein Tierarzt mir vor, es doch einmal mit Calmex zu versuchen. Bei manchen Hunden wirkt es, bei manchen nicht. Calmex ist lediglich ein Nahrungsergänzungsmittel, bestehend aus Aminosäuren (woraus auch Vitamine bestehen), Thein und einem Extrakt auf der Kava Pflanze. Etwas Anderes, etwa ein Präparat aus der der Klasse der Psychopharmaka würde ich meinen Hunden nie geben. Über Calmex machte ich mich ausgiebig schlau und kam zu dem Schluss, dass ein Versuch nicht schaden kann. Das war am Donnerstag.

Yoschi wurde spätestens ab Samstag wirklich deutlich ruhiger. Ob es nun dem Calmex geschuldet war und oder der Tatsache, dass er sich die ganze Woche hatte schonen müssen und die Schmerzen damit verflogen waren, kann ich nicht sicher sagen. Er schien zumindest wieder ganz der alte Yoschi, wie ich ihn schätze, ruhig und nett. Am Montag war er dann wieder ganz in alter Form und düste dabei leider auch wieder einige Male die Treppe zu mir hinauf und hinunter. Dummerweise hindert eine Sperre auch Floppy und Little Amiga daran, nach oben zu gehen, deswegen hatte ich die Sperre nicht aufgestellt. Ich hatte eigentlich gehofft, dass Yoschi die Treppe etwas meiden würde, so wie in der Woche als es ihm nicht so gut ging und er so seltsam drauf war. Pustekuchen! Und abends kam dann die Rechnung. Er zeigte mir wieder äußerst deutlich, dass er meine Nähe auf gar keinen Fall wünschte und das, obwohl ich ihn in diesem Fall nicht einmal hatte anfassen wollen. Er musste also wieder Schmerzen haben, auch wenn sein Gang nichts davon zeigte. Sein Verhalten war heute Vormittag vor allem dadurch geprägt, dass er mir permanent auswich. Mein Tierarzt, mit dem ich heute wegen dem Blutbild telefonierte, meinte, es könne wohl doch mit der Wirbelsäule zusammenhängen. Wir werden jetzt abwarten, wie die Sache sich entwickelt und müssen dann vielleicht dort ansetzen.

Die Treppe werde ich nun wohl doch sperren müssen, auch wenn das Umstände bedeutet. Yoschi muss aber um jeden Preis von der Treppe fern gehalten werden.

Der kleine stolze Herr Yoschi ist mir seither allerdings wirklich etwas unheimlich geworden. Mal ist er so, mal so und man ist nie so ganz und gar sicher, was man zu erwarten hat. Eigentlich kenne ich ihn sehr gut und kann ihn auch entsprechend gut einschätzen. Momentan allerdings zeigt er völlig neue Seiten, auf die ich mich erst noch komplett einstellen muss.

Heute waren wir im Baumarkt. Ihn hatte ich extra mitgenommen, dass er etwas Schönes erlebte. Auch wenn er mit Begeisterung dabei war, so scheint mir sein Blick auf dem Bild nicht ganz so glücklich – aber vielleicht war es auch die Sonne.

Nicht ganz verstehe ich noch immer nicht, wie es sein kann, dass er sein abweisendes und abwehrendes Verhalten von einem auf den anderen Moment ablegen kann, wenn das Zauberwort “Autofahren” fällt. Dann ist er wie ausgewechselt, lässt sich anleinen, anfassen, hochheben, streicheln und hat sogar nichts dagegen, wenn ich direkt neben ihm sitze und ihn ansehe. Autofahren scheint so positiv besetzt für ihn, so sehr das Höchste der Gefühle, dass er alles Andere vergisst.

Nun hoffe ich nur, nicht auf Dauer mit einem Dr Jekyll and Mr Hyde Hund leben zu müssen.

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