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Jeder Hundebesitzer hat seinen Hund schon beim Grasfressen beobachtet und nicht jeder Hund ist dabei gleich. Die Mehrheit meiner Hunde, die ich bisher erlebt habe, etwa bevorzugt weiches breitblättiges Gras, wie man es eher auf Wiesen findet als im heimischen Rasen. Little Amiga hingegen nimmt auch sehr grobes, teilweise vertrocknetes Gras. Die meisten nahmen nur kurze Spitzen vom Gras, andere fraßen lange Blätter komplett und hatten dann in Folge beim Kotabsetzen Probleme, die wieder herauszubekommen.

Aber warum fressen Hunde nun eigentlich Gras? Da gibt es einmal diese Bauernregel: “Wenn Hunde Gras fressen, dann gibt es Regen.” Dass dieses nicht zutrifft, ist wohl keine Frage. Andere behaupten, Hunde bräuchten das Gras zum Reinigen des Magens. Und dann behaupten manche, Hunde würden Gras fressen, um sich erbrechen zu können. Wiederum andere glauben, es hat etwas mit der Ernährung der Vorfahren der Hunde, den Wölfen also zu tun, die Gras aus dem Magen ihrer Beutetiere bezogen hätten und dieses würde den Hunden heute fehlen.

Eating grass @ 8.5 months by 4Neus on Flickr.

Wie ich oben aber schon beschrieben habe, kann ich zumindest rein aus der Beobachtung bei all meinen Hunden sagen, dass es mit Erbrechen sicher nichts zu tun hat, denn bis auf Jackie, die JRT Dame, reagierte kein anderer Hund regelmäßig mit Erbrechen auf die Aufnahme von Gras. Wer bei Google nach dem Thema sucht, bekommt eine gewaltige Anzahl von Ergebnissen. Die Frage beschäftigt also viele Hundebesitzer.

In einem Bericht mit dem Namen Why Dogs Eat Grass—a Myth Debunked (Warum Hunde Gras fressen – mit einem Mythos aufgeräumt) von Stanley Coren las ich jetzt von einer wissenschaftlichen Studie zum Thema. Die wurde schon 2008 durchgeführt, an der  University of California Davis. Die Ergebnisse wurde im Journal “Applied Animal Behavior Science* veröffentlicht.

Man wollte mit der Studie herausfinden, ob es zutrifft, dass Hunde meist Gras fressen, wenn sie sich nicht wohl fühlen und es dann zum Erbrechen führt, oder dass sie Gras fressen, um Mängel in der Ernährung auszugleichen.

Im ersten Studienteil wurden zunächst 25 Veterenärstudenten mit Hunden befragt, die alle Gras fraßen. Keiner gab an, dass die Hunde vor dem Grasfressen Unwohlsein zeigten und nur 8% berichten, dass die Hunde sich anschließend übergeben hätten. Anschließend wurden 47 Hundehalter befragt, die mit ihren Hunden als Patienten an die Universität gekommen waren. Die Befunde aus dem ersten Studienteil bestätigten sich hier. 79% gaben an, ihre Hunde fräßen Pflanzen (überwiegend Gras). Dass die Hunde sich unwohl fühlten wurde nur unregelmäßig beobachtet (vier Hunde) und auch nur selten erbrachen sich die Hunde anschließend (sechs Hunde).

Im zweiten Studienteil wurde eine Umfrage über das Internet durchgeführt, bei welcher man 1.571 verwertbare Ergebnisse erhielt. 68% gaben hier an, ihre Hunde nähmen täglich oder wöchentlich Gras auf. Nur 8% gaben an, dass ihre Hunde vorher Unwohlsein zeigten und 22% gaben an, ihre Hunde übergäben sich danach. In der Umfrage zeigte sich, dass vor allem junge Hunde Gras fressen und dass Hunde, die sich unwohl fühlen bevor sie Gras aufnehmen, eher dazu neigen, sich anschließend zu übergeben.

Aus den Ergebnissen ergab sich auch, dass Hunde Gras fressen, unabhängig davon ob sie in ihrer Nahrung pflanzliches Material in Form von Obst oder Gemüse aufnehmen. Damit ist wohl ausgeschlossen, dass das Grasfressen ein Ausgleich für Ernährungsdefizite ist.

Fazit war für die Forscher, dass Grasfressen bei Hunden ein normales von Hunden gezeigtes Verhalten ist und weder etwas mit Krankheit noch mit Ernährungsmängeln zu tun hat. Man vermutet aber, dass es durchaus ein Verhalten sein kann, welches von den Vorfahren, den Wölfen, übernommen wurde. In 11 – 47% von Kotproben von Wölfen ist Gras nachweisbar. Bei diesen wilden Jägern kann das Gras helfen, schädliche Darmparasiten loszuwerden. Das Pflanzenmaterial wandert durch den Verdauungstrakt und die Fasern davon führen zu vermehrten Kontraktionen der Darmwände und zusätzlich wickeln sie sich um die Würmer und Nematoden. Hunde haben dieses nützliche Verhalten, auch wenn sie heute überwiegend parasitenfrei leben, so möglicherweise beibehalten.

Aber vielleicht fressen Hunde Gras auch einfach nur, weil sie es gerne tun.