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Auf mother nature network stieß ich kürzlich auf einen Bericht über 11 Dinge, die wir Menschen tun, welche bei Hunden jedoch nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen. Ich habe mich natürlich gefragt, ob das so stimmt.

Wir reden viel zu viel anstatt Körpersprache zu nutzen und oft widersprechen wir uns sogar mit Worten und Gesten

Tatsache ist sicher, dass viele Menschen zu viele Worter brauchen, wenn sie ihren Hunden klar machen wollen, was sie von ihnen möchten. “Ich habe dir doch gesagt, dass du jetzt Platz machen sollst!“ ist ein Satz mit sage und schreibe elf Wörtern. Davon sind 10 komplett überflüssig. Sie sagen dem Hund nichts. Lediglich die dem Sprechen hinterlegte Emotion wird damit transportiert. Der Hund hat, wenn bei solchen Kommandos, wenn sie die Regel sind, sicherlich seine Probleme zu erkennen, was sein Mensch eigentlich von ihm will. Eine knappe Anweisung und eine eindeutige Körpersprache sind für den Hund verständlicher. Dass Hunde das nun „hassen“, finde ich etwas übertrieben. Ich kann mir vorstellen, dass Hunde, es durchaus mögen können, wenn ein Mensch ihnen seine Alltagssorgen erzählt und der Fluss der Worte ein angenehmer ist.

Wir umarmen unsere Hunde

Ich glaube, hier muten wir manchen Hunden schon einiges zu, denn aus eigenem Erleben kann ich sagen, dass nicht jeder meiner Hunde es gleichermaßen mochte, mit ihm zu schmusen. Floppy ist hier sehr zurückhaltend und mag so etwas gar nicht. Es entspricht nicht seiner eher unsicheren Natur. Little Amiga hingegen mag es und drückt sich sogar selbst an einen. Legt unter Hunden ein Hund dem anderen eine Pfote auf, so ist dieses oft ein Zeichen von Dominanz heißt es im Artikel selbst. Beobachtet habe ich dies direkt nur einmal, als ein Schäferhund sich meinen Dackel unterwarf. Um das Ritual abzuschließen urinierte er anschließend noch auf ihn. 

Wir fassen unsere Hunde ins Gesicht oder streicheln sie über den Kopf

Dieses ist für Hunde laut dem Artikel etwas, dass nur wenige mögen, allerdings viele tolerieren. Herr Yoschi ist hier recht empfindlich (zumindest seit er sich vom Wesen etwas verändert hat), Floppy mag es nur bedingt und Little Amiga stört sich nicht daran. Tatsache ist aus meiner Erfahrung auf jeden Fall, dass die meisten meiner Hunde ein Streicheln am Rücken, an den Flanken und am Bauch oft wesentlich mehr genossen. Dass sie Berührungen am Kopf aber verabscheuen, würde ich als übertrieben bezeichnen. Klar ist aber sicherlich, dass es eine Menge Vertrauen auf Seiten des Hundes braucht, um überall am Köper, vor allem aber an sehr empfindlichen Stellen, wie Kopf und Hals und Weichteilen, zulassen zu können.

Wir gehen auf uns fremde Hunde zu und starren ihnen dabei in die Augen

Für sehr viele Hunde ist dieses sicherlich nicht angenehm, da ein starrer Blick bei Annäherung Konfrontation bedeuten kann. Nicht umsonst raten viele Hundetrainer beim Kontakt mit fremden Hunde zu der Regel: “nicht anschauen, nicht anfassen, nicht ansprechen.” Die eigenen Hunde lernen im Laufe ihres Zusammenlebens mit ihren Menschen, dass der direkte Blick keine Bedrohung bedeutet. Es gibt aber auch Hunde, auf welche das nicht zutrifft. Unsichere Hunde, wie mein Herr Floppy zählen dazu. Er weicht direkten Blicken eher aus.

Wir geben keine klaren Regeln und Strukturen vor

Ob Hunde diese Eigenheit vieler Hundehalter hassen, bezweifele ich. Sicher ist jedoch, dass viele Fellnasen darunter leiden, da ihnen eine Orientierung im Alltag fehlt. Aus ihrer Geschichte kennen Hunde nichts Anderes als ein Leben, welches durch feste Regeln und Strukturen gegliedert ist. Fehlen Hunden diese (beziehungsweise die notwendige Konsequenz durch den Menschen), entwickeln sie oft ein problematisches Verhalten, da sie dann selbst versuchen, diese Dinge für die Menschen, mit denen sie zusammen leben, ihr kleines Rudel, vorzugeben. Es hilft Hunden meist auch wenig, zwar Regeln zu haben, diese jedoch immer nur durch ein “Nein” vermitteln zu wollen, heißt es in dem Artikel. Da stimme ich zu, denn Hunde müssen am irgendeiner Stelle auch Verhaltensalternativen aufgezeigt bekommen.

Wir zwingen unsere Hunde, mit Menschen oder Hunden zu interagieren, die sie nicht ausstehen können

Ich kann mir vorstellen, dass solches oft vorkommt. Man hat Besuch oder geht an Orte, wo es Menschen oder Hunde gibt, die dem eigenen Hund nicht angenehm sind. Kommt jemand zu mir, haben meine Hunde immer die Freiheit, sich zurückzuziehen. Es gibt aber sicher auch Situationen, wo dieses nicht möglich ist. Dann liegt es aber an mir als Hundehalter, die Situation zu entspannt wie möglich zu halten. Unsichere und ängstliche Hunde, so der Artikel, sind hier eine Ausnahme. Bei ihnen beruht das Problem mit anderen Hunden und Menschen eben vor allem auf der Unsicherheit. Man kann bei ihnen jedoch, wie ich bei meinem kleinen Herrn Floppy erlebe, mit viel Geduld über eine langsame Gewöhnung bzw. Verringerung der Toleranzschwelle viel erreichen. 

Spaziergänge ohne jegliche Möglichkeit zur Erkundung und zum Schnüffeln

Das ist für Hunde sicherlich wirklich hart, denn die Erkundung ihrer Umgebung gehört nun einmal zu ihrer Natur. Wer nur mit dem Hund durch die Gegend läuft, um ihn zu bewegen und nicht hin und wieder mal anhält und dem Hund Gelegenheit gibt, zu riechen, der wird seinem Hund gewiss nicht gerecht. Ohne die Möglichkeit, zu erkunden, was in der Umgebung vor sich geht, werden Spaziergänge so für Hunde auf Dauer langweilig und eintönig. Ja, ich denke, für so etwas könnten Hunde uns hassen.

Den Hund an der kurzen Leine führen

Auch das ist sicherlich ein Punkt, den Hunde gar nicht mögen. Selbst habe ich den Fehler mit meinen beiden jungen Hunden auch gemacht. Der Grund war vor allem das Ziehen von Little Amiga. Ich habe dann aber gelernt, dass Little Amiga an der lockeren und längeren Leine insgesamt deutlich entspannter läuft. Wenn sie eine Witterung hat, dann ist auch an der langen Leine Spannung, doch sobald ich sie abrufe, haben wir wieder Entspannung (bis sie wieder nach vorne stürmt – aber da arbeiten wir noch dran). Eine entspannte Leine bedeutet für viele Hunde ebenfalls eine entspanntere Haltung, heißt es in dem Artikel. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

Wir sind oft zu angespannt

Hunde nehmen nicht nur Anspannung über die Leine wahr, sondern auch über unsere Körpersprache. Sind wir angespannt, ist auch der Hund angespannt. Das kann ich ebenfalls aus eigener Erfahrung bestätigen. Floppy reagiert auf viele für ihn unsichere Situationen deutlich entspannter, wenn auch ich entspannt bin und nicht selbst angespannt bin, weil ich denke, gleich geht es wieder los.

Wir sind zu langweilig

Ich glaube, hier würden sich viele Hunde wirklich aktivere Menschen wünschen, Menschen, die ihnen etwas bieten. Hunde hatten bis vor einigen Jahrzehnten überwiegend Aufgaben zu erfüllen. Heute besteht die Aufgabe vieler Hunde, so der Artikel, vor allem im Warten. Bis auf den oder die Spaziergänge und das Futter gibt es kaum Highlights im Alltag. Das ist langweilig. Auch Hunde brauchen Anregung. Nicht umsonst werden vor allem Hunde aus typischen Arbeitsrassen leicht zu Problemhunden, wenn ihnen eine sinnvolle Beschäftigung fehlt. Während Floppy sich recht gut selbst beschäftigen kann, braucht Little Amiga jemanden, der sich mit ihr beschäftigt. Wenn dieses Floppy ist, dann ist das OK. Leider nur hat der oft keine Lust, weil sie ihm zu wild ist. Im Sommer sind wir viel draußen und spielen im Garten. 

Einen Hund ärgern

Viel sagt der Artikel dazu nicht, denn es sei ja offensichtlich, dass Hunde das nicht mögen, etwa wenn wir sie im Vorübergehen anbellen, sie am Schwanz ziehen, vor dem Zaun, hinter welchem sie sind, herum hampeln und ähnlich. Ist wohl wirklich glasklar. Hunde mögen so etwas absolut nicht, wie wir selbst.

Insgesamt zeigt der Artikel schon Punkte auf, die vielen Hunden das Leben nicht unbedingt einfacher machen. Die Überschrift ist vielleicht etwas zu reißerisch ausgefallen. Wenn Hundehalter den Artikel lesen und über ihre Gewohnheiten nachdenken und vielleicht sogar etwas verändern, ist aber schon einiges erreicht.

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Sechs Punkte würde ich noch ergänzen, für die unsere Hunde uns Menschen oft nicht gerade mögen werden

Wir bieten zu wenig Bewegung

Viele Hunderassen brauchen ein großes Maß an Bewegung und Bewegung bemisst sich dabei nicht nur in zurückgelegten Kilometern, sondern auch in Geschwindigkeit. Hunde brauchen auch schnelle Bewegung, die ihre körperliches Potenzial fordert und den Kreislauf richtig in Schwung bringt. Körperliches Potenzial bedeutet hierbei Kraft, Geschwindigkeit, Beweglichkeit. Ich kann mir vorstellen, dass Hundesportarten wie Agility hier für Ausgleich sorgen können. Leider aber fehlt vielen Menschen das Bewusstsein für dieses Bedürfnis ihrer Hunde und oder die Zeit und Möglichkeiten.

Wir lassen unsere Hunde zu oft und zu lange alleine

Menschen die einen Hund halten und den ganzen Tag zur Arbeit sind, das passt eigentlich nicht, denn Hunde sind soziale Wesen. Wenn der ganze Tag daraus besteht, nur zu warten bis der Mensch wieder nach Hause kommt, bis es wieder Futter gibt, bis es endlich zum Spaziergang geht, bis man endlich sein Geschäft verrichten kann, dann ist das ziemlich übel. Unter diesen Umständen sollte man gar keinen Hund haben. Die einzige Alternative wäre eine Betreuung oder eine Hundetagesstätte. Das ist ein Preis, den viele jedoch nicht zahlen wollen oder können. Wer den Preis jedoch bezahlen muss, ist der arme Hund, und das über viele lange Jahre.

Wir zwingen unsere Hunde, in Umgebungen zu leben, die ihrer Natur nicht entsprechen

Wie oft müssen große Hunde in viel zu kleinen Wohnungen leben und wie viele Hunde sind gezwungen den Zigarettenrauch ihrer Menschen zu ertragen? Hunde mit sehr ausgeprägten Sinnen werden oft in reizarmen Umgebungen gehalten. Es gibt nicht zu beobachten, zu verfolgen, zu suchen oder zu wittern. Solchen Hunden verkümmern die Sinne oder sie entwickeln sich gar nicht erst richtig.

Wir kastrieren oder sterilisieren unsere Hunde

Letztlich vergewaltigen wir hier die Natur der Hunde. Mutterglück ist für eine Hündin sicherlich eines der schönsten Erlebnisse, die das Leben zu bieten hat. Klar, es bleibt einer Hündin auch das Risiko von Gebärmutterkrebs und ähnlich erspart. Außerdem vermeiden wir so viel unnötiges Hundeelend durch ungewollte Hundekinder. Aber ob Hund das so sehen würden? Es hat natürlich auch eine Menge mit unserer eigenen Bequemlichkeit zu tun, weniger Sauerei, weniger Stress, … Die Bedürfnisse der Hunde bleiben aber auf der Strecke.

Wir überfüttern unsere Hunde

Ob uns Hunde dafür hassen würden, will ich nicht behaupten. Wenn es ihnen aufgrund von Übergewicht dann aber gesundheitlich nicht gut geht, würden uns viele Hunde vermutlich hassen, wenn sie die Zusammenhänge verstünden. Liebe geht durch den Magen, bei Hunden wohl auch. Und das eine oder andere erdulden Hunde vermutlich sogar nur wegen des Futters.

Wir zwingen unsere Hunde in Kleider

Viele Hunde mögen das nicht sonderlich und sehr viele brauchen es auch absolut nicht. Trotzdem muten viele Menschen ihren Hunden Kleidung zu, Tendenz steigend. Bei manchen artet es sogar wirklich aus mit Designer Sachen und ähnlich. Ich muss zugeben, dass ich selbst für meine Hunde Schutz vor den Unbilden des Wetters habe. Der erste Hund, der das tatsächlich brauchte, war mein Jack-Russell-Terrier Jackie. Da sie sehr wenig Unterwolle hatte, fror sie sehr leicht. Es gibt Leute, denen ist das egal. Mit Zittern halten sie sich warm, das ist die Natur, sagen sie. Man projiziert sicher auch eigenes Empfinden in den Hund. Mir schien aber, dass sie sich besser fühlte, wenn sie bei Frost einen Pulli tragen konnte. Und den ließ sie sich auch willig anziehen. Bei Floppy ist das sehr ähnlich. Er friert extrem schnell und zieht sich dann quasi in sich zusammen. Mit Pulli ist das deutlich weniger so. Little Amiga ist unempfindlicher. Aber irgendwann merke ich, ist es auch ihr zu kühl. Sie hat ebenfalls nur wenig Unterwolle mit ihrem sehr kurzen Fell und da ich auf die Ernährung achte, hat sie auch keine dicke Speckschicht auf den Rippen. Herr Yoschi hat ein dickes Fell und friert nicht. Nur wenn es aus Eimern regnet und ich mir das langwierige Trocknen anschließend sparen will, dann kriegt er ein Cape über. Die anderen beiden würden ohne Cape bei Regen nicht einmal aus der Haustüre zu bewegen sein. Mit Cape geht es. Und obwohl der kleine Floppy merkt, dass die Kleidung ihm eigentlich nutzt, tut er sich schwer, wenn es nicht die gewohnte Kleidung ist, also wenn ich etwas neues probieren möchte. Bei Little Amiga geht es so.