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Meine drei Hunde spielen wirklich sehr gerne und Hundespielzeuge sind dabei von Bedeutung. Vor Jahren machte ich mir eigentlich wenig Gedanken, was die Zusammensetzung angeht. Irgendwann jedoch fiel mir auf, dass es manche Spielzeuge gab, die seltsam rochen und danach wurde das Thema für mich interessant. Wer sich etwas mit der Materie beschäftigt, weiß dass bei vielen Gegenstände unseres menschlichen Alltags zumindest in der Produktion giftige Substanzen zum Einsatz kommen. Die sind aber auch nach der Produktion nicht immer komplett aus dem Produkt verschwunden. Für viele Stoffe, die wir tragen, wurden die Garne mit hochgiftigen Farben gefärbt. Je heller die Farbe, desto giftiger. Bezugsstoffe für Bahnen und Flugzeuge sind oft so giftig, dass die Schnittreste als Sondermüll entsorgt werden müssen. Was unsere Teppiche und Möbel ausdünsten, ist noch einmal ein weiteres Thema (mehr dazu kann man in dem Film Cradle to Cradle erfahren).

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Die erste Konsequenz für mich war, dass ich keine Vinyl-Spielzeuge mehr kaufe, wegen der Weichmacher und auch wegen der Gefahren bei einer Aushärtung im Magen, sollte der Hund mal ein Teil herausbeißen und verschlucken. Ich schaute fortan vor allem nach Latex, einem natürlichen Gummi. Natürliches Gummi muss ja OK sein, dachte ich. Aber auch da bin ich mir nicht immer sicher. Leider ist die Auswahl an Spielzeugen insgesamt vor Ort nicht so groß, denn bereits über die Nase kann man meiner Meinung nach recht gut erste Hinweise auf Schadstoffe erhalten. Dann gibt es noch andere Spielzeuge, die als natürlicher Gummi bezeichnet werden. Aber auch einige davon rochen seltsam, dass ich sie meinen Hunden dann nicht gab.

Zufrieden war ich aber noch immer nicht. Wie also sieht es aus bei Hundespielzeugen, wo es anders als bei Spielzeugen für Kinder keinerlei Vorschriften und Richtlinien gibt? Immerhin nehmen Hunde ihre Spielzeuge permanent in den Mund, befeuchten sie mit ihrem Speichel und nehmen so auch aus der Oberfläche herausgelöste Substanzen wieder auf. Viele Hundespielzeuge, ob aus Kunststoff, Polyester, Plüsch, Latex, Gummi, Baumwolle, Leinen oder Wolle haben eine Oberfläche mit grellen Farben. Kunststoffspielzeuge sind nicht starr, sondern meist weich. Ohne Zusätze ist Plastik jedoch nicht weich. Farbstoffe sind oft nicht unbedenklich.

Es sieht nicht sonderlich gut aus. Im Oktober 2013 testete eine österreichische Institution vergleichbar der Stiftung Warentest diverse Kunststoffspielzeuge für Hunde.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) testete 18 Hundespielzeuge aus Kunststoff und fand in allen Produkten zum Teil hohe Konzentrationen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK).

Alle 18 getesteten Spielzeuge gelten aufgrund der gefundenen Schadstoffwerte als nicht empfehlenswert für Hunde. Gefunden wurden hohe Konzentrationen von Weichmachern (PAK), “Bisphenol A .., das seit einiger Zeit in Zusammenhang mit Diabetes und Herz-Kreislauf-Problemen in der Debatte steht“ und „DEHP (Di-ethyl-hexyl-phtalat), ein Stoff der die Fortpflanzungsfähigkeit schädigen kann und in Tierversuchen Krebs auslöste”. Ganz schön übel.

Besonders extrem finde ich diese Aussage für ein getestetes Produkt:

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe werden über die Haut und die Schleimhäute aufgenommen. Während es aber etwa für Autoreifen einen PAK-Grenzwert von 01, mg/kg gibt, ist ein solcher für Gebrauchsgegenstände wie Schreibartikel, Koffergriffe oder eben auch Hundespielzeug längst überfällig. Dieser Grenzwert für Autoreifen wurde im Test im extremsten Fall um mehr als das Tausendfache überschritten (Karlie Moosgummi Ball, gekauft bei Fressnapf).

Zu ähnlichen Ergebnissen wie bei dieser Untersuchung kam übrigens schon 2011 eine aus der Schweiz in Auftrag gegebene Untersuchung. Auch hier wurden in diversen Produkten bedenkliche Weichmacherkonzentrationen gefunden. Interessant sind bei diesem Bericht auch die Stellungnahmen der angefragten Hersteller. Manche signalisieren Interesse andere ziehen sich auf die fehlenden Richtlinien zurück.

Fazit ist für die Auftraggeber der Studie:

Verschärft wird die Problematik dadurch, dass die Hunde das Gummi-Spielzeug oft über längere Zeit im Maul tragen und so giftige Substanzen über den Speichel aufnehmen. Gemindert wird die Gefahr durch die vergleichsweise kurze Lebensdauer von Hunden: Viele dürften das Lebensende erreicht haben, bevor die Gifte aus dem Spielzeug ihre Wirkung entfalten können. Zur genauen Beurteilung langfristiger Effekte fehlen aber noch die wissenschaftlichen Grundlagen.

Und als kleines Bonbon: es wurden keine Schwermetalle und Azofarbstoffe in den untersuchten Hundespielzeugen nachgewiesen.

Wie sieht es nun aus mit Latex und Kautschuk? Erst einmal muss man mit einem vielfachen Missverständnis aufräumen. Weder Latex noch Kautschuk müssen natürlichen Ursprungs sein. Kautschuk kann synthetisch hergestellt werden und Latex ist lediglich Kautschuk in flüssiger Form. Nach Angaben von Planet Wissen haben

2011 … deutsche Unternehmen rund 710.000 Tonnen Kautschuk verarbeitet. Davon waren 270.000 Tonnen Naturkautschuk …

Laut dem Öko Test Magazin wurden über viele Jahre in Matratzen weichmachende Phthalate eingesetzt. Aus Latex werden auch Babyschnuller hergestellt. Erstaunlicherweise gibt es auch hier belastete Produkte:

Latexsauger können durch den Herstellungsprozess (Vulkanisieren) krebserregende Nitrosamine enthalten und abgeben. Durch Auskochen des Saugers lassen sich die Schadstoffe reduzieren. Bei einer 2009 von Öko-Test durchgeführten Untersuchung waren der Beauty Baby Beruhigungssauger sowie der Babydream Beruhigungssauger am stärksten belastet. 

Im Fall von Schnullern aus Latex haben Hersteller zugesagt, die Produktion ab 2010 umzustellen. Bei Hundespielzeugen fragt vermutlich niemand nach. Und es gibt eben, wie schon bemerkt, auch keine Richtlinien.

Dann gibt es auch noch sehr viele Hundespielzeuge aus Plüsch. Und auch dort ist vermutlich Vorsicht angebracht, denn es finden sich sogar in Kinderspielzeug aus Plüsch und Polyester Schadstoffe:

Die Plüschfiguren Kikaninchen, Caillou und Die Sendung mit dem Elefanten enthalten Chemikalien, die unter Krebsverdacht stehen.

Aus dem Polyester des Disney Princess Cindarella-Kissen löst sich giftiges Antimon, in der Hello Kitty Wende-Bettwäsche aus Baumwolle steckt hautreizendes Formaldehyd.

Wenn es schon solche Probleme bei Kinderspielzeug gibt, wie wird es in diesem Bereich dann erst bei Hundespielzeug aussehen?

Nach meiner vorsichtigen Einschätzung, sollte man von einem Großteil aller Hundespielsachen vermutlich besser die Finger lassen.

Aber es gibt Hoffnung, denn einige Hersteller haben sich die Schadstofffreiheit auf die Fahnen geschrieben. Das Bog Puppy und Prince listet vier auf: Major Dog, BecoThings, Planet Dog und West Paw Design und die kann man auch im zugehörigen Online-Shop bestellen. Sehr gut finde ich im Shop die Angaben zur Schadstofffreiheit bzw. ob die Produkte für Hunde mit Allergien geeignet sind. Zwei Produkte habe ich mal bestellt.

Bei Major Dog findet man übrigens auf der Homepage extra ein Statement zum Thema Schadstoffe.

Major Dog Hundespielzeuge & Hundetrainingsspielzeuge sind die ersten TÜV-geprüften Hundeprodukte auf dem Markt. Alle Spielzeuge für Hunde wurden nach Kinderspielzeugrichtlinien vom TÜV Thüringen getestet. Die Verwendung hochwertiger, strapazierfähiger und schadstofffreier Materialien zeichnet alle Major Dog Hunde Produkte zusätzlich aus. Sie sind optimal auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmt.

Es gibt auch noch den Hersteller Trend Pet, der Spielzeug aus “ausschließlich natürlichen Materialien” anbietet unter Pure Nature. Inwieweit “ausschließlich natürlichen Materialien” etwaige Schadstoffe ausschließt, lässt sich der Webseite nicht entnehmen. Auf meine Nachfrage per Mail erhielt ich folgende Antwort:

Dass unsere Nature Produktlinie ausschließlich aus natürlichen Materialien besteht, können wir nicht zu 100% garantieren.

In dem geflochtenem Sisal befinden sich farbige Fasern, welche wiederum durchaus mit Schadstoffen versehen sein könnten.

Was ich persönlich mir wünschen würde, wären Spielzeuge aus sehr kräftigem, mehrfach genähtem Baumwollgewebe aus Biobaumwolle, gefüllt mit loser Wolle (anstelle von Polyesterflies) und gefärbt mit natürlichen Farbstoffen. Die oft kräftigen Farben sind für Hunde vermutlich ohnehin eher uninteressant.

Quellen: