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Seit Mitte Juni hatte der kleine Herr Yoschi von einem auf den anderen Tag eine Wesensänderung durchgemacht. Er wollte sich nicht mehr anfassen lassen und wenn es nur das Anlegen des Geschirrs war oder auch einfaches Streicheln. Es war total extrem. Auf jeden Versuch, ihn irgendwie anzufassen, reagierte er mit Aggression. Und gelegentlich schnappte er sogar zu zu. Ich hatte zu der Zeit keine Erklärung für sein seltsames Verhalten. Die Verhaltensänderung konnte ich keinem bestimmten Ereignis zuordnen.

Meine Vermutung war dann, dass er sich irgendwie einmal weh getan haben musste und er das mit mir in Verbindung brachte, bzw. mit meiner Mutter, der gegenüber er sich genauso verhielt. Ich versuchte es dann mit einem homöopathischen beruhigenden Mittel, das aber nur geringe Wirkung zeigte. Auf Anraten meiner Hundetrainerin fütterte ich ihn eine Zeit lang aus der Hand. Er wurde mit der Zeit wieder zugänglicher, doch man musste immer vorsichtig sein, um nicht böse überrascht zu werden. Insgesamt war es in den letzten drei Monaten sehr viel besser, verschwunden war es aber nie. Immerhin wusste ich aber, worauf er nicht gut reagierte und richtete mich entsprechend ein. Von oben zu ihm herab fassen, wenn man ihn nicht gerade anleinte, ging gar nicht. Manchmal wurde er schon böse, wenn man zufällig in das Büro meines Vaters hineinschaute, wenn er dort auf seinem Kissen lag.

Als der Tierarzt am Montag bei Yoschi unter anderem Borreliose diagnostizierte, recherchierte ich direkt, denn ich hatte einmal in einer Autobiographie einer Autorin gelesen, dass sie durch Borreliose zeitweise unter Persönlichkeitsstörungen litt. Und siehe da, es gab Hinweise darauf, dass diese von Zecken übertragene Krankheit zu Verhaltensänderungen führen kann.

In einigen Fällen zeigen die Hunde auch Herzprobleme, Nierenversagen und neurologische Störungen, wie Verhaltensänderungen, Aggressionen oder Anfälle.

Quelle: Borreliose durch Zecken, wuff.at, 2003

In schweren Fällen kann es auch zu Nieren- und Herzschäden kommen und zu Störungen des Zentralnervensystems, die sich in Störungen der Bewegungsabläufe sowie in aggressivem Verhalten zeigen können.

Quelle: Borreliose: Symptome bei Hund und Pferd – Hilfreich.de

Pathologische (krankhafte) Aggression
Jede Form von Erkrankung oder Veränderungen des Gehirns können zu aggressivem Verhalten führen. Infektionen, wie die Borreliose und vor allem die Hypothyreose spielen hier eine große Rolle.

Quelle: Aggressionsverhalten bei Hunden, Hundeschule Sonja Bauer

Im Nachhinein erklärt das eine Menge, zumindest erscheint es mir aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich, dass Yoschis Verhaltensänderung durch die Borreliose bedingt war. Das Krankheitsbild ist oft sehr unterschiedlich von Fall zu Fall, ob Hund oder Mensch. Genau deswegen ist es auch so schwer zu diagnostizieren, wenn man nicht über das Blut gezielt nachschaut. Dabei scheint Yoschi insgesamt aber noch Glück gehabt zu haben, dass er z.B. keine Arthrose durch die Borreliose hatte. Die Probleme mit den Nieren und der Entzündungswert und nicht zuletzt auch die Herzprobleme deuten sehr stark auf einen vollen Ausbruch der Borreliose ab Sonntag hin. Vorher war rein äußerlich vom Verhalten her alles noch in bester Ordnung.

Lernen kann man daraus nur eines: Mit Borreliose ist nicht zu spaßen! Vorbeugen ist besser als hinterher das Nachsehen zu haben!

Ich war auch lange skeptisch, was etwa den Zeckenschutz durch Mittel wie Expot (ein leichtes Nervengift) angeht. Mein Tierarzt meinte damals jedoch zu mir, man müsse immer die Risiken abwägen. Er hat auf jeden Fall recht. Ich kann jedem nur raten, seine Hunde vor Zecken zu schützen. Dabei würde ich auf Nummer sicher gehen und nicht irgendwelchen Hokuspukus nutzen, wo die Wirksamkeit gegenüber Zecken mehr auf Glauben beruht als auf Tatsachen.