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Nach dieser bitteren Erfahrung mit den Folgen einer Borrelioseinfektion bei meinem kleinen Herrn Yoschi habe ich mich noch einmal mit dem Thema auseinandergesetzt und fand zu meinem Erstaunen, dass man Hunde, anders als Menschen, gegen Borreliose durchaus impfen lassen kann.

Natürlich habe ich mich direkt gefragt, wie das denn möglich sein kann. Warum soll bei Hunden möglich sein, was bei Menschen definitiv nicht geht?

Es gibt, wie ein schneller Blick in die Wikipedia unter Borreliose zeigt, nicht nur eine Borreliose, sondern verschiedene. Gemein ist allen Borreliosen, dass sie durch Borrelien (Spirochäten) verursacht werden. Es gibt mehrere, die für den Menschen gefährlich sind. Vor allem bekannt ist der Typ Borrelia burgdorferi, der die gefürchtete Lyme-Borreliose (Zeckenborreliose) verursacht. Diesen Typ Borrelia burgdorferi unterteilt man in Untertypen. Laut Wikipedia gelten beim Menschen und bei Hunden vor allem drei Arten: Borrelia burgdorferi sensu stricto (lat. [s. s.] = im engeren Sinne), B. garinii und B. afzelii als Erreger.

Bildnachweis: Borrelia burgdorferi-cropped Centers for Disease Control and PreventionPublic Health Image Library, (PHIL), with identification number #6631; Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Gegen einen von diesen drei Erregern, Borrelia burgdorferi sensu stricto, kann man seinen Hund mit einem Impfstoff der Firma Merial (Link zu PDF Broschüre) vorbeugend behandeln lassen. Der Hund erhält eine Grundimmunisierung, die aus zwei Impfstoffgaben besteht, und wird dann alljährlich vor Beginn der Zeckensaison geimpft. Der Hersteller betont extra, dass ein Hund, der einmal Borreliose hatte, dadurch keine Immunität erworben hat. Wie oben aus der Wikipedia referenziert, gibt es drei potentielle Erreger bei Mensch und Hund. Laut Merial wurden Erkrankungen bei Hunden jedoch nur für einen Typen nachgewiesen:

B. burgdorferi sensu stricto ist die einzige Genospezies, für die bislang beim Hundeine krankmachende Wirkung nachgewiesen werden konnte.

Quelle: PDF Broschüre, Merial

Den Impfstoff von Merial soll es bereits seit zehn Jahren geben. Der Sitz der Firma ist Deutschland. Da es von Kontinent zu Kontinent verschiedene Untertypen des Borrelia burgdorferi sensu stricto gibt, sollte der Impfstoff von der Firma selbst stammen und für den europäischen Typen entwickelt worden sein.

Das Thema ist wohl insgesamt nicht so einfach, wie ein wissenschaftlicher Artikel eines Virologen im Ruhestand von 2009 (überarbeitet 2011) zeigt. Laut Professor Dr. Roland Friedrich gibt es viele Tiere (und auch Menschen) mit einer natürlichen Immunität gegen Borreliose. Bei Rehen, die oft voller Zecken sind, konnte bisher noch nie eine Borreliose nachgewiesen werden. Insgesamt, so der Autor, ist die Borreliose bei Hunden deutlich seltener als bei Menschen. Oft werde bei Hunden Borreliose falsch diagnostiziert. Seiner Einschätzung nach, stehen viele Fachleute einer Impfung gegen Borreliose derzeit eher skeptisch gegenüber, auch wegen der vielen Fehldiagnosen.

In einem anderen Beitrag zum Thema führt Prof. Dr. Roland Friedrich noch einen interessanten Punkt aus. Wie oben beschrieben, wirkt der Impfstoff der Firma Merial nur gegen Borrelia burgdorferi sensu stricto. Dieser Typ ist, wie noch weiter oben beschrieben, lediglich einer von drei für Hund und Mensch relevanten Typen und dabei nach seinen Angaben jedoch der mit dem geringsten Vorkommen.

In Europa werden B. afzelii und B. garinii für ca. 80 bis 90 Prozent aller Infektionen beim Menschen verantwortlich gemacht. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass das bei Hunden prinzipiell anders ist. Der bei uns erhältliche Impfstoff “Merilym” (sprich: Merileim) ist gegen Borrelia burgdorferi s.s. gerichtet, die seltenere der drei genannten Arten.

Quelle: Borreliose-Impfung bei Hunden, ca. 2002

Sein Fazit lautet:

Das Beste, was man gegen die Hunde-Borreliose tun kann, ist wohl die Vorbeugung: Den Hund äußerlich mit einem der gegen Zecken wirksamen Mittel behandeln (Scalibor-Halsband oder ein Spot-On-Präparat wie ExSpot, Advantix, Preventic, Frontline o.ä.) und nach jedem Spaziergang gut nach den Tierchen absuchen.

Quelle: Die Lyme-Borreliose: Schreckgespenst einer Krankheit bei Mensch und Hund?

Es ist, wenn man nun diese sich teils widersprechenden Aussagen liest, sicherlich auch eine Frage, wem man mehr glaubt, dem erfahrenen Virologen oder den Werbeversprechen einer Pharmafirma.

Bei uns im südlichen Sauerland im Südosten von NRW können über Zecken mittlerweile alle möglichen Krankheiten an Hunde übertragen werden, die hier vorher nicht anzutreffen waren. Das kommt einmal daher, dass auch Hunde heute öfter reisen. Dabei bringen sie vor allem aus Südeuropa die bisher nur dort vorzufindenden durch Zecken übertragenen Krankheiten mit hier her. Und dann sind natürlich auch noch die Hunde aus dem Tierschutz, die aus Ländern wie Spanien, Griechenland, Italien oder auch Osteuropa oder sogar Afrika hierher kommen und ihre Krankeiten mitbringen und bei Zeckenbefall in die Zeckenpopulation einbringen, die dann wiederum für eine Verbreitung über andere Wirte sorgen.

Ich selbst werde meine beiden verbliebenen Hunde nicht impfen lassen gegen Borreliose. Zum Glück haben sie ein kurzes Fell und Zecken, die sich trotz Abwehrmittel noch festsetzen können, kann man leicht sehen bzw. beim Streicheln erfühlen. Zum Glück neigen die beiden auch nicht so sehr dazu, in Sträuchern und hohen Gräsern am Wegesrand zu stöbern.