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Bei Menschen sind psychische Störungen leider gar nicht so selten. In vielen Fällen können die Auswirkungen durch Medikamente gelindert und manchmal sogar komplett unterdrückt werden. Auch Hunde können unter psychischen Störungen leiden. In einem Artikel in Time (March 9, 2015) gibt es jetzt um dieses Thema. Vorgestellt wurde exemplarisch ein 13 Jahre alter Mischling, der seit dem Alter von zehn Jahren unter Panikattacken leidet. Er sprang dann auf, ganz unvermittelt, so als wäre er gebissen worden. Danach stand er dann Tage lang unter Strom und war voller Angst. Die Familie war hilflos. Nachdem man ihnen nirgendwo anders helfen konnte, wendeten sie sich schließlich an die Kleintierklinik der Tufts Universität in Massachusetts. Nick Dodman, der Leiter des Bereichs Verhaltensstudien an der Universität nahm sich des Falles an.

Zunächst beobachtete er den Hund, Buddy, und sprach mit den Haltern. Seine erste Diagnose war nicht sehr entmutigend. Mit großer Wahrscheinlichkeit hing die Verhaltensänderung mit Krampfanfällen zusammen, die durch einen langsam wachsenden Gehirntumor verursacht wurden. Das würde dann auch erklären, warum die Verhaltensänderung erst im fort geschrittenen Alter eingetreten war und auch nicht mit der eigentlichen gewachsenen Persönlichkeit des Hundes zusammenpassten. Ein MRT zur Klärung, ob es sich tatsächlich um einen Gehirntumor handelte, hätte 800 $ gekostet und letztlich nichts zur Heilung beigetragen, da eine Operation bei einem Hund in diesem Alter ohnehin keinen Sinn mehr gemacht hätte. Also setzte man auf eine Behandlung mit einem entzündungshemmenden Medikament, welches die Arthrose in den Hüftgelenken lindern würde, was dem Hund wieder mehr Lebensfreude gab. Außerdem bekam er ein Medikament gegen die Krampfanfälle verschrieben, so dass diese zumindest nicht weiter auftraten. Und schließlich bekam er auch noch ein Mittel gegen Depression.

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Bildquelle: MarinaAvila, deviantart

Das Beispiel zeigt, dass die Tiermedizin heute sehr ähnlich wie die für Menschen auch in der Lage ist, psychische Störungen zu behandeln. Psychische Störungen sind bei Tieren insgesamt gar nicht so selten, wie Beispiele aus der Massentierhaltung und in Zoos mehr als deutlich zeigen. Hier geht es aber immer um Tiere, die von den Menschen in für sie unnatürliche Situationen gebracht werden.

Psychische Störungen bei Tieren müssen nicht unbedingt körperliche Ursachen haben, wie im Fall von Buddy. Bei Hunden beobachtet man psychische Störungen vor allem, wenn sie aus schwierigen Verhältnissen stammen oder eine problematische Vergangenheit hatten. Das kann sich dann beispielsweise in extremer Ängstlichkeit äußern, etwa vor Händen, Männern, Autos, lauten Geräuschen und ähnlich. Hunde können wie Menschen unter Zwangshandlungen leiden. Dann lecken sie sich die Füße und knabbern daran, bis sie blutig sind. Oder sie jagen Lichtflecken ohne Unterlass hinterher. Hunde können unter Trennungsangst leiden, unter posttraumatischen Störungen unter Depressionen, zwanghaftem Horten von Spielzeugen in einer Ecke und viele mehr, ganz viele Menschen. So sind Tierärzte mittlerweile zunehmend zu der Erkenntnis gekommen, dass das Gehirn von Hunden und Tieren im allgemeinen letztlich nicht anders funktioniert als das von Menschen. Entsprechend können sie unter den gleichen Störungen leiden.

Wie man weiß, ist bei allen Säugetieren das limbische System für Gefühle in seiner Grundstruktur identisch. Und es geht sogar noch weiter. Bei Dobermännern konnte man beispielsweise ein Gen für eine rassespezifische Form von Zwangshandlung finden, die sich durch zwanghaftes Lecken an einem Gegenstand oder Körperteil auszeichnet. Dieses ist sehr ähnlich zu einer psychischen Störung bei Menschen, die man Pica-Syndrom nennt. Betroffene Menschen leiden unter dem Zwang, nicht essbare, teils sogar ekelerregende Dinge in ihren Mund zu stecken. Bei einer MRT Untersuchung eines Betroffenen Dobermanns fand man unnormal hohe Aktivität in einem bestimmten Areal des Gehirns, der gleichen Stelle, wo dieses auch bei betroffenen Menschen zu beobachten ist.

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Bildquelle: Canine lick granuloma“ by self – Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Es verwundbaren nicht, dass man auch bei Hunden durch die Gabe von Antidepressiva die Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin erhöhen kann. Allerdings gibt es hier von Rasse zu Rasse deutliche Unterschiede, durch die verschiedenen Metabolismen. Sichthunde wie Windhunde, die einen auf hohe Laufgeschwindigkeiten angepassten Stoffwechsel haben, reagieren auf ein Antidepressivum anders als etwa ein Dackel.

Psychische Störungen Hunden werden jedoch nicht nur medikamentös behandelt, sondern viel öfter durch Verhaltenstherapie. Dazu gehören kann Desensibilisierung, wenn Hunde Angststörungen haben. Hütehunde, die in ihren Familien psychische Störung entwickeln, therapiert man oft, indem man sie eine Schule schickt, wo sie lernen Tiere zu hüten.

In einigen Fällen, vor allem wenn Tiere extrem misshandelt wurden oder es zu gravierenden Störungen in der Sozialisationsphase in den ersten 4-8 Wochen des Lebens kam, ist eine Therapie leider nicht mehr möglich. Diese Hunde müssen dann Zeit ihres Lebens mit ihren seelischen Narben leben.

Im Artikel gab es auch einen kleinen Fragebogen, mit welchem man schauen kann, ob der eigene Hund vielleicht ein psychisches Problem haben könnte.

(Die Diagnose von psychischen Problemen ist bei Hunden nicht einfach. Die folgenden Symptome können jedoch Hinweise geben auf eventuelle Probleme)

  • läuft ziellos umher
  • starrt in die Luft oder auf eine Wand
  • scheint in Haus oder Garten orientierungslos oder verwirrt
  • hat Schwierigkeiten Türen zu finden; steht bei der Tür an der Seite mit den Scharnieren; steht vor der falschen Tür, um nach draußen zu kommen
  • erkennt vertraute Personen nicht
  • reagiert nicht auf Kommandos oder den Namen
  • sucht deutlich seltener Zuwendung
  • ist bei der Begrüßung weniger begeistert
  • schläft im Tagesverlauf deutlich mehr
  • macht in die Wohnung, obwohl stubenrein
  • ist verwirrt oder weiß sich nicht mehr zu helfen, wenn er in einer Ecke steht oder hinter einem Möbelstück
  • hat scheinbar vergessen, warum er in den Garten wollte, wenn er draußen ist

Auswertung: selbst wenn man hier nur einige wenige Sachen bei seinem Hund beobachtet, könnte dieses Anlass zur Sorge sein. Treffen fünf oder mehr zu, bedeutet dieses echte Probleme. Ob eine Behandlung Sinn macht, hängt auch vom Alter des Hundes ab.

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