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Wie ich in diesem Blog schon mehrfach beschrieben habe, hat der kleine Herr Floppy enorme Probleme im Umgang mit anderen Hunden und Menschen, Hunden und Menschen, die ihm unbekannt sind.

Wo seine Probleme herrühren, weiß ich. Es war die fehlende Sozialisation in der Tötung, wo er geboren wurde. Wie ich die Probleme lösen soll, weiß ich jedoch noch immer nicht. Aber das Puzzle vervollständigt sich langsam.

Zunächst war mir das Ausmaß der Unsicherheit Floppys gegenüber im unbekannten Hunden und Menschen gar nicht klar. Ich hatte noch nie mit derartigen Problemen zu tun und war mir von daher auch nicht bewusst, wie schwierig diese Probleme zu lösen sind. Als ich ihn mit fünfeinhalb Monaten Alter bekam, hätte ich, das fehlende Wissen vorausgesetzt, sicherlich manche Fehlentwicklung in seinem Verhalten verhindern können. Nachdem ich selbst sehr viel gelesen hatte und mich auch über diverse Videos bei YouTube versucht hatte, schlau zu machen, damit jedoch nicht wirklich weitergekommen war, arbeitete ich 2014 über Monate mit einer Hundetrainerin zusammen. Sie konnte mir durchaus ein Stück weiterhelfen. Irgendwann war jedoch auch sie mit ihrem Latein am Ende.

Floppys Verhalten änderte sich auch ein wenig. Er bellte mehr und ging deutlicher nach vorne, war dabei jedoch nicht unbedingt aggressiv. So ist es eigentlich bis heute geblieben. Am schlimmsten ist es, wenn wir anderen Hunden oder Menschen auf einem Weg begegnen und sie uns dabei entgegenkommen. Im Idealfall kann ich die Situation entschärfen, indem ich ausweiche. Ich versuche es auch immer wieder, in dem ich mit der Stimme auf ihn einwirke. In jeder Situation gehe ich zwischen die Fremden und ihn. Trotzdem ist es schwierig, ihn zur Ruhe zu bringen. Oft geschieht es, dass er dann mich anbellt und mich dabei (so zumindest wirkt es) vorwurfsvoll von unten anschaut. Das sieht dann so aus, als wolle er sagen, “aber wir müssen doch etwas tun, siehst du das nicht?

Bei fremden Hunden schaffe ich es mittlerweile, wenn wir stehen bleiben, nicht allzu weit vom andern Hund entfernt, dass er sich beruhigt. Voraussetzung ist, dass auch der andere Hund ruhig bleibt. Und dann kann ich es sogar schaffen, dass wir, mit ausreichend Abstand, mit dem anderen Hund laufen können. Das ist schon ein enormer Fortschritt.

Wir gehen sehr oft mit dem Hund vom Haus nebenan, einem Beagle Rüden spazieren. Das ist immer sehr früh am Morgen, um 6:00 Uhr, um genau zu sein. Dann gehen wir unsere Morgenrunde durch den Wald. Floppy brauchte ziemlich lange, um sich an Charlie, so heißt der Hund, zu gewöhnen. Irgendwann klappt es dann. Man traf sich, ohne dass Floppy sein sonst übliches Verhalten zeigte. Es kann morgens etwas laut werden, wenn Charlie zu uns rüber kommt, das ist jedoch recht freundlich. Wer aber, wir begegnen Charlie zu einer anderen Uhrzeit und an einer anderen Stelle, und wenn es nur 50 m um die Ecke ist. Dann gebärdet er sich als wäre Charlie ein unbekannter Hund und will sich auf ihn stürzen. So ganz schlüssig ist mir dieses Verhalten nicht.

Was mich jedoch besonders überrascht hat, und das ist der Anlass, weshalb ich mich mit diesem Thema hier mal wieder beschäftige, ist Floppys Umgang mit dem Hund meiner Schwester und meinem Neuzugang, Mesty.

Der Hund meiner Schwester ist ein Old English Bulldog. Ely ist ein rüde, nicht kastriert, und noch nicht komplett ausgewachsen. Er kommt nicht so oft zu uns und trotzdem akzeptiert Floppy in bei uns im Haus, solange er nicht zu wild herum tobt. Damit kommt Floppy definitiv nicht klar. Beim Spazierengehen gibt es überhaupt keine Probleme. Die beiden gehen nebeneinander her oder hintereinander und haben sogar schon aneinander gerochen. Das ist für Floppys Verhältnisse sensationell. Ich vermute, ein Grund für Floppys relativ entspanntes Verhalten ist, dass er merkt, Ely gehört zum Rudel. Außerdem habe ich ihm auch in der Wohnung ausreichend Zeit gegeben, sich an seine Gegenwart zu gewöhnen. Dafür hielt ich ihn zunächst durch ein Hundegatter getrennt von ihm.

In seinem Umgang mit Mesty hat Floppy sich jetzt aber absolut übertroffen. Dazu muss man natürlich wissen, dass Mesty ein absolut souveräner und erfahrener Hund ist. Sie hat in den drei Jahren, die sie im Tierschutz verbrachte, gemeinsam mit über 100 anderen Hunden, gelernt, Konflikte zu vermeiden und durch ihr Verhalten zu deeskalieren. Mesty hatte ich genau deshalb ausgewählt, da ich wusste, welche Probleme mit Floppy möglich sein könnten. Durch Mestys umsichtiges Verhalten war es Floppy innerhalb von Minuten möglich, sich nicht bedroht zu fühlen. Natürlich hatte er nicht von Anfang an völliges Vertrauen in Mesty und ihre Absichten. Es gab immer mal wieder kleinere Situationen, da entfuhr ihm ein kurzes Knurren. Das war’s dann aber auch schon. Mehr geschah nicht. 

Aus allen diesen Beobachtungen ergibt sich für mich nun folgendes Bild Floppys Problem.

Floppy läuft mit einem riesengroßen Vorteil ich die Welt und dieses lautet „alle fremden Hunde und Menschen wollen mir etwas.“ Außerdem hat er große Schwierigkeiten, seine Erfahrungen zu generalisieren. Wenn ein Hund oder Menschen an einer Stelle als freundlich empfindet bzw. nicht bedrohlich, dann kann er das weder auf andere Orte noch auf andere Hunde und Menschen übertragen.

Die Frage für mich ist nun, wie kann ich dieses Vorurteil knacken. Wie kann ich ihn überzeugen, dass seine Einschätzung der Welt um ihn herum nicht richtig ist? Bisher sehe ich nur eine Möglichkeit, was Hunde angeht. Er müsste auf eine Hundewiese kommen (eingezäunt), wo sich viele Hunde befinden, die ähnlich wie Mesty souverän im Umgang mit unsicheren Hunden sind. Dort könnte er lernen, dass auch viele andere Hunde völlig harmlos sind. Die Möglichkeit dazu habe ich allerdings nicht. Also muss ich es weiter über den Faktor Zeit und viel Geduld probieren und hoffen, dass es irgendwann Klick macht.