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Little Amiga ist diesen Mai vier Jahre alt geworden und dreieinhalb Jahre lang ist sie bei mir. Soll ich mich darüber freuen? Manchmal bin ich mir dessen nicht so sicher. Die kleine braune Hundedame treibt mich in die Verzweiflung. Eigentlich ist sie ungemein liebenswert, offen und zugänglich, freundlich und auch zärtlich. Sie ist ein Hund, der die Sympathien anderer schnell gewinnt.

Doch so klein und nett sie ist, so viel Temperament hat sie auch und einen ungemeinen Jagdtrieb. Was habe ich nicht alles probiert, um ihr das Ziehen abzugewöhnen? Und es ist nicht so, dass ich es nicht mit Konsequenz probiert habe. Konsequenz heißt auch nicht mal nur drei Tage lang, sondern bis zu zwei Wochen. Alleine es bringt nichts. Selbst wenn sie nicht deutlich zieht, so ist die Leine nie entspannt, nie. Dass ich die Leine mit nach unten hängendem Arm halten kann, ist nicht möglich. In Folge habe ich ständig mit Verspannungen im Schulterbereich zu kämpfen.

Und dann kommt da noch mein persönliches Problem. Ich bin ein sehr geduldiger Mensch und eigentlich auch sehr ausgeglichen. Bis mich etwas aus der Ruhe bringt, dafür braucht es schon eine Menge. Wie oft bin ich bei Little Amiga schon ausgerastet, habe sie angebrüllt wie ein Irrer. Ich bemühe mich wirklich. Doch irgendwann kommt dann der Punkt. Sie zieht wieder und lässt nicht nach, mir tut schon alles weh, da sie den ganzen Weg über gezogen hat, meine Geduld ist am Ende, … Sie schaut mich dann völlig erschrocken an, absolut überrascht, so scheint es und versteht nicht, was los ist. Ich bin so was von sauer, dass ich sie schütteln könnte und mit der Leine prügeln, so sehr quält sie mich. Das tue ich natürlich nicht. Wenn überhaupt, dann habe ich sie schon mal im Genick gepackt. Weh getan habe ich ihr dabei jedoch nicht. 

Danach ist meine Stimmung komplett im Keller, denn mein Ausraster hat nichts gebracht und nur mehr kaputt gemacht als mir lieb ist. Der kleine Floppy, den ich noch nie angebrüllt habe, auf den sich mein Ausraster nie richtet, der auch nie in der Richtung ist, sondern fast immer hinter mir, er erschreckt sich total und versucht, so weit es die Leine erlaubt, von mir weg zu kommen, so viel Angst hat er. Toll! Gerade er braucht Vertrauen. Mit jedem Ausraster mache ich bei ihm wieder alles kaputt. Dann plagt mich auch noch das schlechte Gewisse ihm gegenüber.

Mesty reagiert nicht so sehr auf meine Ausraster, zum Glück.

Manchmal denke ich, ich sollte gar keine Hunde haben, da ich nicht in der Lage bin, mit den Problemen fertig zu werden. 

  • Little Amiga zieht an der Leine
  • Floppy reagiert auf Hunde und viele Menschen mit Unsicherheit und Bellen
  • Mesty, die Ruhe in den Laden bringen sollte, hat sich bei Little Amiga das Ziehen abgeschaut und bei Floppy das Bellen

Bingo! Volltreffer!

Mit Floppy ist es nicht einfach und da Mesty nun auch noch bellt, wenn andere Hunde in Sicht sind oder Menschen, die ihr komisch erscheinen, habe ich hier ein doppeltes Problem. Da wir aber nicht so oft anderen begegnen, geht das noch. 

Das Ziehen von Little Amiga ist ein Dauerthema, morgens am schlimmsten und nachmittags etwas abgeschwächter. Es ist so ein größeres Problem als die Unsicherheit von Floppy.

Ich gehe jeden Tag zweimal mit den Hunden raus, insgesamt zweieinhalb bis drei Stunden, manchmal auch mehr. Das Wetter ist so schön, doch die Spaziergänge kann ich nur bedingt genießen. Little Amiga vermiest mir mit ihrem Ziehen eine Menge. Und es belastet mich sehr, dass ich mit ihr diese Probleme habe und durch ihr Ziehen und meine Ausraster selbst für weitere Probleme sorge. Es gibt Tage, da ist meine Stimmung nach einem Spaziergang für Stunden im Keller, so frustriert bin ich.

Einen Ausweg sehe ich auch nicht. Es ist mir schleierhaft, warum Little Amiga nicht versteht, dass sie nicht ziehen soll. Will sie nicht oder versteht sie mich nicht? Eigentlich funktioniert nur Druck bzw. Zwang, um sie vom Ziehen abzuhalten. Entweder ich trage einen Stock mit mir oder ich nehme sie mit Mesty in die Zange oder ich mache mit der Stimme Druck. Warum sie vor Stöcken Respekt hat, weiß ich nicht. Geschlagen habe ich sie nicht. In die Zange nehmen zwischen Mesty und mich braucht zunächst einige Kraft. Irgendwann gibt sie dann auf und läuft zwischen uns. Mit der Stimme Druck machen, ist sehr anstrengend, da ich permanent auf sie einreden muss. Alles sind keine Lösungen, wie ich sie suche. Ich mag nicht, dass sie nur neben mir geht, weil sie Angst hat oder nicht anders kann. Hinter mir geht gar nicht, egal was ich anstelle. Und vor mir endet es immer in einer gespannten Leine oder deutlichem Zug.

Little Amiga hat definitiv eine starke Persönlichkeit. Ihr Blick kann laserscharf sein. Auch zu Hause versucht sie immer mal wieder das Kommando zu übernehmen. Beim Spazierengehen, will sie vorne sein. Aber immerhin fragt sie mich ab, wenn wir an Kreuzungen oder Weggabelungen kommen. Um sie neben mir zu halten, habe ich vieles versucht, von Kurzhalten über Leine Hinterm Bein führen bis zu Absitzenlassen bei jedem Vorlaufen und Ziehen. Es hat nie etwas bewirkt. Wenn ich sie mal richtig anschnauze, wirkt das vielleicht vier Minuten lang. Dann ist es vergessen.

Ich bin ratlos. Mich graust vor der Vorstellung, dass das nun noch Jahre so weiter geht. 

Ich habe ein schlechtes Gewissen meinen Hunden gegenüber, dass ich so versagt habe. Vor allem Floppy gegenüber habe ich ein schlechtes Gewissen, da er so nie das hundertprozentige Vertrauen zu mir aufbauen konnte, das er benötigt. Aber auch Little Amiga gegenüber habe ich ein schlechtes Gewissen, denn auch unser Verhältnis ist sehr belastet. Auch von ihrer Seite ist das Vertrauen zu mir gestört und konnte sie nie so entwickeln wie es sollte. Und Mesty gegenüber muss ich auch ein schlechtes Gewissen haben, denn auch sie leidet unter der ganzen Situation, wenn auch nicht so sehr wie Floppy. Mist auch. 

Dass ich mit meinen Hunden nicht so wirklich glücklich bin, ist auch ein Grund, weshalb ich in letzter Zeit so wenig schreibe im Blog. Mir ist einfach nicht danach.